Was ist evangelisch?

Was Sie immer schon mal fragen wollten

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Was ist evangelisch?

Beitragvon SunFox » So 1. Nov 2009, 18:40

Bezüglich einer gemachten Aussage in diesem Thraed und um der Gefahr zu entgehen dort gelöscht zu werden wegen OT, möchte ich dieses hier zur Diskussion stellen, denn die gemachte Aussage dort war:

Siehst du, das ist für mich aber nicht evangelisch.


Was bedeutet es evangelisch zu sein?

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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon Old Catholic » So 1. Nov 2009, 18:47

Also ich interpretiere den evangelischen Glauben wie folgt:

- Sola Scriptura als oberste Glaubensregel
- Anerkennung von nur zwei Sakramenten, Taufe und Abendmahl
- Kirchenverständnis, das besagt, dass Kirche überall ist, wo Gottes Wort verkündet und gehört wird
- Reformatorische Tradition
- Ablehnung von Privatoffenbarungen bzw. mündlichen Überlieferungen etc.
- Glaube an die Rechtfertigung allein aus Gnade

etc. etc.

Zu allererst sind die Reformationskirchen natürlich evangelisch, nämlich die ref Kirche und die luth Kirche

P.S. ich bin aber nicht evangelisch, nur dass es gesagt sei
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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon Taube » So 1. Nov 2009, 18:56

Da fällt mir gerade Hans Küng ein, der zwei Grundhaltungen sieht:

Katholisch in der Grundhaltung ist, wem besonders an der katholischen = ganzen, allgemeinen, umfassenden, gesamten Kirche gelegen ist. Konkret: an der in allen Brüchen sich durchhaltenden Kontinuität von Glaube und Glaubensgemeinschaft in der Zeit (Tradition) und an der alle Gruppen umfassenden Universalität von Glaube und Glaubensgemeinschaften im Raum (gegen protestantischen Radikalismus und Partikularismus, die nicht zu verwechseln sind mit evangelischer Radikalität und Gemeindebezogenheit).

Evangelisch in der Grundhaltung ist, wem in allen kirchlichen Traditionen, Lehren und Praktiken besonders am ständigen kritischen Rückgriff auf das Evangelium (Schrift) und an der ständigen praktischen Reform nach der Norm des Evangeliums gelegen ist (gegen katholischen Traditionalismus und Synkretismus, die nicht zu verwechseln sind mit katholischer Tradition und Weite).

Quelle: 20 Thesen zum Christsein von Hans Küng
Denn erschienen ist die Gnade Gottes, allen Menschen zum Heil. (Titus 2,11)
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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon Taube » So 1. Nov 2009, 18:58

Also das eine muss das andere nicht ausschliessen, im Gegenteil, irgendwie gehören beide zusammen als gegenseitiges Korrektiv!

Etwas hat Küng noch vergessen: die orthodoxe Grundhaltung, welche in besonderer Weise der richtig verstandenen Ursprünglichkeit des Christentums verpflichtet ist. Diese Ursprünglichkeit darf auch nicht vergessen werden, aber steht in Gefahr, dass sie den heutigen Menschen nicht mehr verständlich ist.

Gruss Taube
Zuletzt geändert von Taube am So 1. Nov 2009, 19:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon Old Catholic » So 1. Nov 2009, 19:00

Taube hat geschrieben:Also das eine muss das andere nicht ausschliessen, im Gegenteil, irgendwie gehören beide zusammen als gegenseitiges Korrektiv!

Gruss Taube


Als evangelisch verstehe ich auch die (reformierte) Auffassung

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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon LordAlm » So 1. Nov 2009, 19:01

SunFox hat geschrieben:Bezüglich einer gemachten Aussage in diesem Thraed und um der Gefahr zu entgehen dort gelöscht zu werden wegen OT, möchte ich dieses hier zur Diskussion stellen, denn die gemachte Aussage dort war:

Siehst du, das ist für mich aber nicht evangelisch.


Was bedeutet es evangelisch zu sein?

Lieber Suni,
Willst du vielleicht fragen, ob du dich auch zur Gemeinde Jesu zählen darfst? Diese Frage wäre viel wichtiger, denn man kann ja mit Evangelisch oder wie auch immer, verbunden sein und trotzdem noch nicht zur Gemeinde Jesu gehören. Glied der Gemeinde Jesu wird man weder durch Taufe noch durch die Eintragung in ein Kirchenregister. Man wird es auch nicht durch die Teilnahme am Abendmahl, sondern durch die ganz persönliche Annahme des Herrn Jesus Christus als Heiland und Erlöser. Hast du das getan? Dann darfst du dich zur Gemeinde Jesu zählen! LG LA
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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon Old Catholic » So 1. Nov 2009, 19:03

LordAlm hat geschrieben:
SunFox hat geschrieben:Bezüglich einer gemachten Aussage in diesem Thraed und um der Gefahr zu entgehen dort gelöscht zu werden wegen OT, möchte ich dieses hier zur Diskussion stellen, denn die gemachte Aussage dort war:

Siehst du, das ist für mich aber nicht evangelisch.


Was bedeutet es evangelisch zu sein?

Lieber Suni,
Willst du vielleicht fragen, ob du dich auch zur Gemeinde Jesu zählen darfst? Diese Frage wäre viel wichtiger, denn man kann ja mit Evangelisch oder wie auch immer, verbunden sein und trotzdem noch nicht zur Gemeinde Jesu gehören. Glied der Gemeinde Jesu wird man weder durch Taufe noch durch die Eintragung in ein Kirchenregister. Man wird es auch nicht durch die Teilnahme am Abendmahl, sondern durch die ganz persönliche Annahme des Herrn Jesus Christus als Heiland und Erlöser. Hast du das getan? Dann darfst du dich zur Gemeinde Jesu zählen! LG LA


Auch das ist keine klassische evangelische Einstellung. Glied der Kirche wird man durch die Taufe.
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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon Taube » So 1. Nov 2009, 19:09

Old Catholic hat geschrieben:
Taube hat geschrieben:Also das eine muss das andere nicht ausschliessen, im Gegenteil, irgendwie gehören beide zusammen als gegenseitiges Korrektiv!

Gruss Taube


Als evangelisch verstehe ich auch die (reformierte) Auffassung

Ecclesia reformata semper reformanda est


Aber wenn dieses Ecclesia reformata.... den Bezug zum Weltumfassenden verliert und sich in Kleinstgruppen aufspaltet oder sich im Säkulären verliert, ist sie nicht mehr refomiert, es gehört zum Christsein auch der katholische Geist im Sinne von allgemein, weltumspannend dazu.

Gruss Taube


Was meinst Du mit "Old Catholic"? im Sinne von christkatholischer Kirche?
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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon Old Catholic » So 1. Nov 2009, 19:34

Taube hat geschrieben:
Old Catholic hat geschrieben:
Taube hat geschrieben:Also das eine muss das andere nicht ausschliessen, im Gegenteil, irgendwie gehören beide zusammen als gegenseitiges Korrektiv!

Gruss Taube


Als evangelisch verstehe ich auch die (reformierte) Auffassung

Ecclesia reformata semper reformanda est


Aber wenn dieses Ecclesia reformata.... den Bezug zum Weltumfassenden verliert und sich in Kleinstgruppen aufspaltet oder sich im Säkulären verliert, ist sie nicht mehr refomiert, es gehört zum Christsein auch der katholische Geist im Sinne von allgemein, weltumspannend dazu.

Gruss Taube


Das ist wahr. Aber bezieht es sich hier nicht auf die Auslegung und fortwährende Überprüfung des Glaubens?


Taube hat geschrieben:Was meinst Du mit "Old Catholic"? im Sinne von christkatholischer Kirche?


Ganz Recht, das ist meine Kirche.
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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon Taube » So 1. Nov 2009, 19:37

Old Catholic hat geschrieben:Also ich interpretiere den evangelischen Glauben wie folgt:

- Sola Scriptura als oberste Glaubensregel
- Anerkennung von nur zwei Sakramenten, Taufe und Abendmahl
- Kirchenverständnis, das besagt, dass Kirche überall ist, wo Gottes Wort verkündet und gehört wird
- Reformatorische Tradition
- Ablehnung von Privatoffenbarungen bzw. mündlichen Überlieferungen etc.
- Glaube an die Rechtfertigung allein aus Gnade

etc. etc.

Zu allererst sind die Reformationskirchen natürlich evangelisch, nämlich die ref Kirche und die luth Kirche

P.S. ich bin aber nicht evangelisch, nur dass es gesagt sei


Ich frage mich allerdings, ob man das heute noch so klar sagen kann. Wir stehen nicht mehr im 16. Jh. Als es damals unausweichlich klar wurde, dass die Kirche sich geteilt hatte, mussten sich die Kirchen auf ein neues Leitbild sich einigen und sich vor allem abgrenzen voneinander. Aber die Kirchen sind nicht stehen geblieben, sie haben sich weiter entwickelt und alte Argumente überarbeitet.

Hans Küng hat in seiner Dissertation über die Rechtfertigungslehre nachgewiesen, dass Karl Barths reformierte Rechtfertigungslehre nicht wesentlich von der alten römisch-katholischen Lehre entfernt ist. Dafür hat er von der katholischer Uni noch höchste Auszeichnung bekommen.
Gerade gestern vor 10 Jahren hat der lutherische Weltbund mit dem Vatikan eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der es u.a. heisst: „Wir bekennen gemeinsam, dass der Mensch im Blick auf sein Heil völlig auf die rettende Gnade Gottes angewiesen ist. Die Freiheit, die er gegenüber den Menschen und den Dingen der Welt besitzt, ist keine Freiheit auf sein Heil hin. Das heißt, als Sünder steht er unter dem Gericht Gottes und ist unfähig, sich von sich aus Gott um Rettung zuzuwenden. Rechtfertigung geschieht allein aus Gnade.“


Also dieses "allein aus Gnade" ist nicht nur exklusiv die Lehre der reformatorischen Kirchen.


Gruss Taube
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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon SunFox » Mo 2. Nov 2009, 06:36

LordAlm hat geschrieben:
SunFox hat geschrieben:Bezüglich einer gemachten Aussage in diesem Thraed und um der Gefahr zu entgehen dort gelöscht zu werden wegen OT, möchte ich dieses hier zur Diskussion stellen, denn die gemachte Aussage dort war:

Siehst du, das ist für mich aber nicht evangelisch.


Was bedeutet es evangelisch zu sein?

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Willst du vielleicht fragen, ob du dich auch zur Gemeinde Jesu zählen darfst?


Lieber Lord,

was soll so eine Frage und was hast du dir dabei gedacht?

Meine Antwort hier!

Also meine Frage war klar gestellt! Danke!

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Re: Was ist evangelisch?

Beitragvon Taube » Mo 2. Nov 2009, 08:57

Old Catholic hat geschrieben:
Taube hat geschrieben:
Old Catholic hat geschrieben:...
Als evangelisch verstehe ich auch die (reformierte) Auffassung

Ecclesia reformata semper reformanda est
...
Aber wenn dieses Ecclesia reformata.... den Bezug zum Weltumfassenden verliert und sich in Kleinstgruppen aufspaltet oder sich im Säkulären verliert, ist sie nicht mehr refomiert, es gehört zum Christsein auch der katholische Geist im Sinne von allgemein, weltumspannend dazu....
Das ist wahr. Aber bezieht es sich hier nicht auf die Auslegung und fortwährende Überprüfung des Glaubens?


Ja, und auch fortwährende kritische Betrachtung der Glaubenspraxis, also auch die Strukturen und die Liturgien müssen überdacht werden und immer wieder in Beziehung zum Evangelium bezogen werden. Aber darin liegt auch eine Gefahr der dauernden Reformation - die Reformation kann um Selbstläufer werden. ...oder die dauernde Reformation bleibt bei der Lehre der Reformationsväter stecken und wird auch zur erstarrten Orthodoxie.

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