Christentum aus der Innensicht

Wo sind die Unterschiede, wo die Gemeinsamkeiten?

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Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Hermann » So 2. Mär 2014, 10:58

Wertes Forum! Der Gedanke der "Alleinheit" wird ja gerne in Asien verortet. Ich denke, dass er auch im Christentum seinen Platz hat, dann nämlich, wenn dies von der mystischen Seite angeleuchtet wird. Folgender Ausschnitt aus dem Manuskript eines Freundes scheint mir etwas von dieser Atmosphäre sehr lebensnah zu vermitteln:

Aus "Das Erwachen des Thomas K."

Nun schwieg er einen Augenblick, schließlich begann er erneut zu reden: „Vor vielen Jahren, ich war gerade zwanzig Jahre alt, besuchte ich an einem feuchtkalten Februartag eine barocke Wallfahrtskirche. Nachdem ich durch das mächtige Eingangsportal getreten war und sich die Tür hinter mir geschlossen hatte, umfing mich die Stille des weiten Raumes. Niemand außer mir war in diesem Moment in der Kirche. Trotzdem spürte ich, dass die Luft erfüllt war von etwas Unbekanntem und Wundersamen. Erst erschien es mir wie ein stilles Echo der Zeit, eine Emotion hervorgerufen durch das Alter und die Pracht des Gebäudes. Im nächsten Augenblick hatte ich allerdings das Gefühl, als ob die Gebete und Führbitten unzähliger Menschen in der kalten Luft des Kirchenraumes schweben würden. Der ganze Ort schien von dieser geheimnisvollen Kraft erfüllt zu sein, als hätten zahllose Gläubige im Lauf der Jahrhunderte etwas von sich selbst in diesem Raum zurück gelassen, das nun die Altäre, Steine und Skulpturen durchdrang.
Überwältigt stand ich da, noch immer keinen Meter vom Eingangsportal entfernt. Langsam ließ ich meinen Blick durch den reich verzierten Raum schweifen. Ich sah Fresken in lebendigen leuchtenden Farben, Marmorsäulen deren Musterung mir wie gerade erst erstarrte und zu Stein gewordene Flammen erschienen, verschwenderisch ausladende Statuen, deren Augen mich verfolgten, mir zulächelten und mich dennoch nicht ängstigten. Von all dem tief bewegt und überwältigt, ging ich ein Stück weiter durch den Raum, zwischen den Bänken und Säulenreihen hindurch.

Es war nicht so sehr die Pracht des ausgeschmückten Kirchenraumes, sondern dieser andere “Bewusstseinszustand“ der mich immer mehr in seinen Bann zog. Nach einiger Zeit wurde ich auf eine kleine Seitenkapelle aufmerksam, die im Querhaus untergebracht war. Mich überkam der Wunsch, diesen kleinen Raum zu betreten. Langsam und so leise wie es mir möglich war schritt ich darauf zu. Die Gittertür zu der kleinen Kapelle stand offen.

Dieser Raum war in seiner Art ganz anders als der Rest der Wallfahrtskirche, in ihm befand sich nicht mehr als ein großer Kerzenaltar. Die Wände waren ohne jeden Schmuck und vom Ruß ungezählter Kerzen schwarz gefärbt. Ein Kreuzgewölbe überspannte die niedrige Kapellendecke. Schon auf dem Weg zu diesem Raum hatte ich das Gefühl mit jedem Schritt, die Welt und alle Zeit weit hinter mir zurück zulassen.

Thomas, vielleicht kannst du dir vorstellen, wie ich mich fühlte, als ich die kleine Kapelle betrat und direkt vor dem Kerzenaltar stand. Allein in einem kalten, vielleicht acht Quadratmeter großen Raum, mit dunklen geschwärzten Wänden, nur erhellt von brennenden Kerzen. Schon nach wenigen Augenblicken erfuhr alles um mich herum eine weitere Veränderung. Es zog mich fort und ich wandelte jenseits der Grenzen von Gedanken und Logik. Mir war zumute als würden die Jahrhunderte aus den steinernen Mauern auf mich einströmen. Umgeben von diesen alten Steinen, die so viel gesehen hatten, sah ich mein eigenes Leben, meine eigenen Erfahrungen zusammen fallen und in den unendlich weiten Dimensionen von Zeit und Raum vergehen. In diesem Moment war alles Eins und vollkommen, ohne Gedanken, Fragen oder Träume. Ich stand vor den Kerzen und blickte in ihre ewig unbewegten Flammen.

Nach einiger Zeit kehrten die Gedanken und Fragen, die mich damals beschäftigten, wieder. Langsam gewann die gewohnte Welt aus Namen und Bewertungen ihre Gültigkeit zurück. Fast im selben Moment tauchten eine Menge neuer Fragen in mir auf und es sollten viele Jahre vergehen, bis ich sie beantworten konnte. Allerdings wurde dieser Moment zu einem Wendepunkt in meinem Leben.“

http://www.amazon.de/Das-Erwachen-desTh ... s+thomas+k
Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Daher ist sie bei vielen Menschen so unbeliebt.

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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Schoham » So 2. Mär 2014, 18:37

So hat jeder wieder andere Wendepunkte, in seinem Leben.
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Hermann » Mo 3. Mär 2014, 06:25

Interessant ist aber doch, Schoham, dass der Gedanke der Alleinheit bei so vielen übereinstimmend "da" ist, die in dieser Intensität Lebenswende-Erlebnisse haben.
Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Daher ist sie bei vielen Menschen so unbeliebt.

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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Schoham » Mo 3. Mär 2014, 12:07

Das ist wahr :)) lieber Hermann.

In der Stille, im Alleinsein, der Ruhe - kann der Schöpfer erlebt, erfahren, wahrgenommen werden.

Das wegen dem Alleinsein, ist sehr eindrücklich hier gesagt:

Die Zeit die man mit sich selbst verbringt, alleine...
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Hermann » Mo 3. Mär 2014, 17:40

Schoham hat geschrieben:Das ist wahr :)) lieber Hermann.

In der Stille, im Alleinsein, der Ruhe - kann der Schöpfer erlebt, erfahren, wahrgenommen werden.

Das wegen dem Alleinsein, ist sehr eindrücklich hier gesagt:

Die Zeit die man mit sich selbst verbringt, alleine...


Und die Alleinheit, das Gefühl etwa, der Mensch ist Teil der Natur und eben nicht in erster Linie die Krone, das gehört wohl nicht zum Glauben an IHN?
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Schoham » Mo 3. Mär 2014, 18:24

Er Ist doch der Geist, der Kopf, das Haupt
und alle "Seine Glieder" legen ihre Kronen vor Ihm nieder.
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Jeshu » Mo 3. Mär 2014, 21:49

Thomas, vielleicht kannst du dir vorstellen, wie ich mich fühlte, als ich die kleine Kapelle betrat und direkt vor dem Kerzenaltar stand. Allein in einem kalten, vielleicht acht Quadratmeter großen Raum, mit dunklen geschwärzten Wänden, nur erhellt von brennenden Kerzen. Schon nach wenigen Augenblicken erfuhr alles um mich herum eine weitere Veränderung. Es zog mich fort und ich wandelte jenseits der Grenzen von Gedanken und Logik. Mir war zumute als würden die Jahrhunderte aus den steinernen Mauern auf mich einströmen. Umgeben von diesen alten Steinen, die so viel gesehen hatten, sah ich mein eigenes Leben, meine eigenen Erfahrungen zusammen fallen und in den unendlich weiten Dimensionen von Zeit und Raum vergehen. In diesem Moment war alles Eins und vollkommen, ohne Gedanken, Fragen oder Träume. Ich stand vor den Kerzen und blickte in ihre ewig unbewegten Flammen.


Hi Hermann!
Die Erzählung Deines Freundes gefällt mir und berührt mich, ich finde, er kann es sehr gut beschreiben, was er fühlt in dieser alten Wallfahrtskirche.
Ich glaube zum Beispiel auch fest daran, dass es so eine Art "Heilige Orte" gibt
(es müssen nicht die typischen bekannten sein), einfach Orte, an dem der völlige Friede herrscht, plötzlich auch mit dem eigenen Schicksal.
Als wenn dort vieles "gespeichert" wäre, was dort bereits passiert ist, bzw. gefühlt und gedacht wurde - und plötzlich mit einem selbst ist, wie als Trost. Als wenn man alle Liebe, Leid und Leben anderer Menschen mit fühlen würde und sie nahe wären, selbst die bereits Verstorbenen. Die einem Mut geben für das Leben und voran gegangen sind.
Auch mit für uns.

"Alleinheit" habe ich selbst am Liebsten in der Natur, mitten im See, oder im Wald, in den Bergen, einfach draußen - und fühle mich dann auch wirklich bei Gott.
Jedes Tier freue ich mich dort zu sehen oder dabei zu haben, dann bin ich noch glücklicher, doch fast jeder Mensch, dem ich dort begegne, stört mich im Eins-Sein mit Ihm.
Und zwar ganz extrem.
Denn in der Natur würde ich mit Gott am Liebsten wirklich absolut "allein" sein, also ohne jeglichen Menschen, denn genau dann bin ich nicht allein.
Also das ist richtig crass, ich weiß nicht, warum das so ist.

LG
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Hermann » Di 4. Mär 2014, 07:27

Jeshu, herzlichen Dank für Deinen sehr schönen Beitrag. Ich denke, Deine Beobachtung, dass auftauchende Menschen Dein Einheitsgefühl mit Gott in der Natur stören, ist gut erklärbar. Der Baum oder der Vogel sind eben als unbeschädigter Teil der Schöpfung erspürbar. Wir Menschen haben eben- aber das deutlich zu fühlen, dafür ist wohl vor allem eine meditative Grundstimmung hilfreich- mit dem Ausgang aus dem Paradies unsere Freiheit zu wichtigen Teilen durch Egoismus und die Herrschaft des Verstandes falsch angewandt. Aber ich denke, wenn wir am Tage X vielleicht doch -trotz unserer Wahlmöglichkeiten und unseres Bewusstseins- wieder in die Harmonie zurückkehren, dann wird die Lebensfülle auch ungemein viel stärker als die jedes Tieres sein. Das stelle ich mir dann etwa so vor, wie wenn man eine schwere Krankheit übersteht und danach jeden Atemzug und jedes kleine Glück viel intensiver als vorher erlebt.
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon jes_25913 » Di 4. Mär 2014, 10:23

Ich möchte nur etwas Allgemeines äußern:

Nur wer das Christentum von Innen kennt, kann sich Christ nennen. Noch so viele Beschreibungen einer köstlichen Mahlzeit, ersetzen nicht den Genuss dieser.

Und als Ergänzung: Nur derjenige, der sie geschmeckt hat, wird entscheiden können, ob die Beschreibungen, die er vorher hörte, in allen Dingen oder überhaupt zutreffend sind.

LG,
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Hermann » Di 4. Mär 2014, 10:41

Sehr zutreffend, lieber Jes. Ich verwende auch gerne das analoge Bild des Reiseführers: Viele Buchchristen ringen ein Leben lang um die "richtige" Deutung, was da im Lebens-Reiseführer zu Gott hin steht, vergessen aber oft, mehr als ein paar Schritte in die Richtung dieses Landes zu gehen, es zu schmecken und zu riechen, den Weg wirklich zu erleben.
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Schoham » Di 4. Mär 2014, 12:00

Jeshu hat geschrieben:Also das ist richtig crass, ich weiß nicht, warum das so ist.


Ich auch nicht und so denke ich mal laut hier:

Die Natur ist einfach. Sie ist einfach so wie sie ist. Ungekünstelt, offen, ehrlich und im Jetzt erlebbar. In diesem wahren fühlt man sich wohl, gut aufgehoben und dem ursprünglichen nahe. Ich frage mich manchmal, was genau es ist, dass uns Menschen fremd vorkommen. Sind es ihre Gedanken, ist es ihr Wesen, ihr tun? Wie kann man sich mit einem Tier näher verbunden wissen als mit einem Menschen? Mehr zu Hause sein, mit Wolken, Regen und den Bäumen? Was läuft bei Menschen verkehrt, dass sie nicht die grösste Erfüllung mit ihresgleichen finden? Ein kleines Kind, dass sich seiner selbst noch nicht bewusst ist, strahl Natürlichkeit aus. Manchmal trifft man einen Menschen mit dem man sich eins fühlt. Doch sobald man ihn näher kennt, erscheint er einem doch auch irgendwie fremd. Oder ist es so, dass der andere Mensch meinen inneren Zustand spiegelt? Wäre ich selber ganz in der Liebe, ganz in Gott und vollkommen eins mit Ihm - würde dann diese Ausstrahlung, der Sonne gleich, nicht auch das schattige im Nächsten, hell erscheinen lassen?
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Hermann » Di 4. Mär 2014, 13:09

Schoham, gute Überlegungen! Ich hörte gestern bei einem Morgenstern-Abend den Satz: "Nur, wer liebt, findet etwas schön!" Offenbar fehlt es vielen Menschen an der Fähigkeit zur Liebe. Dass Menschen uns spiegeln, auch in dieser Unfähigkeit, siehst du wohl sehr richtig. Und Tiere haben eben diese "Unschuld", die man auch gerne mit dem (noch unverfälschten) Instinkt in Verbindung bringt.
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Schoham » Di 4. Mär 2014, 17:39

"Nur, wer liebt, findet etwas schön!"


Wäre unser Bewusstsein, allein von Christus erfüllt, so sähen wir, in unserem Nächsten, Ihn allein.

Gebt doch, was drinnen ist, als Almosen, siehe, dann ist euch alles rein.
Luk. 11,41


Wenn wir aus der Fülle des Christus geben, der in uns lebt, in unserem innern, also drinnen - so verbreiten wir Leben - das aus Liebe, Wahrheit, Friede, Freude, Güte und all dem besteht - was Er Ist.
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Hermann » Di 4. Mär 2014, 19:49

Schoham hat geschrieben:
"Nur, wer liebt, findet etwas schön!"


Wäre unser Bewusstsein, allein von Christus erfüllt, so sähen wir, in unserem Nächsten, Ihn allein.

Gebt doch, was drinnen ist, als Almosen, siehe, dann ist euch alles rein.
Luk. 11,41


Wenn wir aus der Fülle des Christus geben, der in uns lebt, in unserem innern, also drinnen - so verbreiten wir Leben - das aus Liebe, Wahrheit, Friede, Freude, Güte und all dem besteht - was Er Ist.


Alles richtig, lieber Schoham. Der einzige Unterschied besteht in der Frage, ob das mitzuschleppende Gedankengerüst, das Manche hier als "biblisch" definieren, für dieses hehre Ziel eher förderlich oder eben hinderlich ist.
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon onThePath » Mi 5. Mär 2014, 04:32

Hermann, man kann sein individuelles Menschsein nicht vergöttlichen durch Gotteserfahrungen.

Ich bin mir folgendem bewußt:
Es gibt Süchtige, die werden frei von Suchtdrang durch ein starkes Erlebnis von Gottes Wirklichkeit (und Kraft)
Aber neulich fragte mich ein ehemals Süchtiger, der eine christliche Langzeittherapie macht, warum er nicht total glücklich sei und angefüllt durch die Gegenwart Gottes.

Es gibt Sünder, die ein völlig ergreifendes Umkehrerlebnis haben und völlig verändert wirken auf Andere.

Dann gibt es noch religiöse Menschen, die mystisch mehr Nähe und Miteinander mit Gott suchen.

Aber andererseits gibt es keinen Zustand der dauernden völligen Verbundenheit mit Gott. Das ist Illusion, weil der Buddhismus und der Yoga wissen, dass dazu tausende von Wiederverkörperungen nötig wären.

Wie werden wir also frei ohne unzählige Male wiedergeboren werden zu müssen ?
Ich denke, die Bibel und Jesus geben uns die Antwort: Ändert Eure Gesinnung, laßt ab von der Sünde, liebet Gott und den Nächsten wie Euch selber.

Mir ist ein Christ lieber, der sich bemüht, gottgemäß zu leben, als ein Mensch, der Mystische Erlebnisse ständig im Kopf hat, und wie er sie erlangen kann.

Ich denke an Todeserlebnisse von Christen, die eine "Bestandsaufnahme" ihres Lebens erlebten. Dabei kamen die Sünden nicht mehr vor, die sie bereut hatten...Wie schön, dass es Vergebung gibt und kein Gesetz der Wiedergeburt das alles haargenau heimzahlt. Wie schön, dass Christus dabei mitwirkt....

lg, oTp
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon Hermann » Mi 5. Mär 2014, 08:35

onThePath hat geschrieben: 1. Hermann, man kann sein individuelles Menschsein nicht vergöttlichen durch Gotteserfahrungen.

2.Dann gibt es noch religiöse Menschen, die mystisch mehr Nähe und Miteinander mit Gott suchen.


2. Mir ist ein Christ lieber, der sich bemüht, gottgemäß zu leben, als ein Mensch, der Mystische Erlebnisse ständig im Kopf hat, und wie er sie erlangen kann.

3. Ich denke an Todeserlebnisse von Christen, die eine "Bestandsaufnahme" ihres Lebens erlebten. Dabei kamen die Sünden nicht mehr vor, die sie bereut hatten...Wie schön, dass es Vergebung gibt und kein Gesetz der Wiedergeburt das alles haargenau heimzahlt. Wie schön, dass Christus dabei mitwirkt....

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Zu 1. Ich kann es nicht 100%ig vergöttlichen, aber von dem Tag an gehe ich keinem Materialisten mehr auf den Leim. Ist das nicht auch christlich-positiv?
2. Dieses "Erlangen-Wollen" lehnt doch jeder spirituelle Mensch per se ab. Erfahrungen stellen sich für einen reifen Christen eher absichtslos ein "Der Geist weht, wo ER will."
3. Ich bin doch mit Dir einig, dass echtes "Bereuen" als therapeutischer Prozess wichtig und zentral ist. Übrigens gehen auch die meisten Wiedergeburts-Anhänger davon aus, dass du nur die Themen wieder aufgetischt bekommst, die Du innerlich nicht aufgearbeitet hast.
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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon onThePath » Do 6. Mär 2014, 12:15

Zu 1. Ich kann es nicht 100%ig vergöttlichen, aber von dem Tag an gehe ich keinem Materialisten mehr auf den Leim. Ist das nicht auch christlich-positiv?


Umkehr im christlichen Sinne ist nicht nur an "zufällige" und seltene mystische Erlebnisse gebunden.
Aber diese Umkehr ist mit Sicherheit auch nur durch ein Eingreifen Gottes machbar. Es muß nämlich die ganze Person ergreifen und alle inneren "Götzen" entmachten.

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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon jes_25913 » Do 6. Mär 2014, 14:24

onThePath hat geschrieben:
Zu 1. Ich kann es nicht 100%ig vergöttlichen, aber von dem Tag an gehe ich keinem Materialisten mehr auf den Leim. Ist das nicht auch christlich-positiv?


Umkehr im christlichen Sinne ist nicht nur an "zufällige" und seltene mystische Erlebnisse gebunden.
Aber diese Umkehr ist mit Sicherheit auch nur durch ein Eingreifen Gottes machbar. Es muß nämlich die ganze Person ergreifen und alle inneren "Götzen" entmachten.

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Gott greift überhaupt nicht ein. er hat jedem menschen die Gnade gegeben sich ihm zu nähern, Wesentliches vom Unwesentlichen zu unterscheiden, Wahrheit vom Irrtum. Der Mensch muss nur wirklich wollen. Der Grad seines Wollens ist verantwortlich dafür, wie weit er kommt.

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Re: Christentum aus der Innensicht

Beitragvon onThePath » Do 6. Mär 2014, 14:29

jes_25913 hat geschrieben:
onThePath hat geschrieben:
Zu 1. Ich kann es nicht 100%ig vergöttlichen, aber von dem Tag an gehe ich keinem Materialisten mehr auf den Leim. Ist das nicht auch christlich-positiv?


Umkehr im christlichen Sinne ist nicht nur an "zufällige" und seltene mystische Erlebnisse gebunden.
Aber diese Umkehr ist mit Sicherheit auch nur durch ein Eingreifen Gottes machbar. Es muß nämlich die ganze Person ergreifen und alle inneren "Götzen" entmachten.

lg, oTp


Gott greift überhaupt nicht ein. er hat jedem menschen die Gnade gegeben sich ihm zu nähern, Wesentliches vom Unwesentlichen zu unterscheiden, Wahrheit vom Irrtum. Der Mensch muss nur wirklich wollen. Der Grad seines Wollens ist verantwortlich dafür, wie weit er kommt.

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Ja, streng Dich mal schön an, Dir Gottes Gnade zu verdienen.

Der Mensch muß nur wollen, umzukehren. Was steht dazu in der Bubel ?
Gott bewirkt Beides, das Wollen und das Gelingen ?

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