Wo Christus und Buddha sich umarmen

Aus der Sicht und im Vergleich zum christlichen Glauben

Moderator: bigbird

Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Sa 29. Jun 2013, 14:35

Bild: "Wo Christus und Buddha sich umarmen"

Zitat aus der Website der "Zukunftsinitiative Eifel":

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Sagt man. Und es stimmt. Im Turm von Schloss Wachendorf/Eifel hängt so ein Bild. Man könnte es für einen Farbklecks halten. Es ist ein zerlaufenes Aquarell. Es hing früher im Zendo, dem Meditationsraum der seit 26 Jahren im Schloss meditierenden ZEN-Buddhisten. Als vor Jahren ein riesiger Ausgleichsbehälter der Zentralheizung von Schloss Wachendorf unter dem Turm-Dach undicht wurde, ergossen sich Dutzende Kubikmeter Wasser in den Turm und ins Zendo. Holzvertäfelungen und Zwischendecken wurden zerstört, Tapeten und Leisten lösten sich von den Wänden. Auch das, was das Aquarell einst dargestellt hatte, wurde ausgelöscht. Es waren Jesus und Buddha, die sich umarmten, und deren Konturen durch die Überflutung mit Wasser zu einem einzigen Farbtupfer verschmolzen wurden. Das Bild zeigt schlicht und ergreifend, was seinem Besitzer Taiku Güttler Roshi (75), dem Zen-Meister und Prior des Wachendorfer ZEN-Ordens „Kakunen-Ji“ (Tempel der offenen Weite), am eigenen Leib widerfahren ist. In ihm sind Christentum und Buddhismus eins geworden. Ende Zitat.

Da ich mich selber ebenfalls sowohl als Christ als auch als Buddhist erlebe, bin ich interessiert an Beiträgen von Christen, die auf ihrem Weg als Christen durch buddhistische Meditation positive Erfahrungen und eine Vertiefung ihrer Spiritualität, ihres Glaubenslebens erleben.

Für mich stellt das Bild sehr schön mein inneres Erleben dar: Christus und Buddha sind zwei individuelle Gestalten - ebenso, wie meine christliche und meine buddhistische Praxis voneinander verschieden sind - sie schliessen sich jedoch gegenseitig nicht aus, sondern ein. Die Umarmung bringt Frieden.

Ein längerer Auszug aus dem Text hier

Gruss, erbreich
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon schokotimmi » Sa 29. Jun 2013, 16:20

erbreich hat geschrieben:Bild: "Wo Christus und Buddha sich umarmen"

Zitat aus der Website der "Zukunftsinitiative Eifel":

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Sagt man. Und es stimmt. Im Turm von Schloss Wachendorf/Eifel hängt so ein Bild. Man könnte es für einen Farbklecks halten. Es ist ein zerlaufenes Aquarell. Es hing früher im Zendo, dem Meditationsraum der seit 26 Jahren im Schloss meditierenden ZEN-Buddhisten. Als vor Jahren ein riesiger Ausgleichsbehälter der Zentralheizung von Schloss Wachendorf unter dem Turm-Dach undicht wurde, ergossen sich Dutzende Kubikmeter Wasser in den Turm und ins Zendo. Holzvertäfelungen und Zwischendecken wurden zerstört, Tapeten und Leisten lösten sich von den Wänden. Auch das, was das Aquarell einst dargestellt hatte, wurde ausgelöscht. Es waren Jesus und Buddha, die sich umarmten, und deren Konturen durch die Überflutung mit Wasser zu einem einzigen Farbtupfer verschmolzen wurden. Das Bild zeigt schlicht und ergreifend, was seinem Besitzer Taiku Güttler Roshi (75), dem Zen-Meister und Prior des Wachendorfer ZEN-Ordens „Kakunen-Ji“ (Tempel der offenen Weite), am eigenen Leib widerfahren ist. In ihm sind Christentum und Buddhismus eins geworden. Ende Zitat.

Da ich mich selber ebenfalls sowohl als Christ als auch als Buddhist erlebe, bin ich interessiert an Beiträgen von Christen, die auf ihrem Weg als Christen durch buddhistische Meditation positive Erfahrungen und eine Vertiefung ihrer Spiritualität, ihres Glaubenslebens erleben.

Für mich stellt das Bild sehr schön mein inneres Erleben dar: Christus und Buddha sind zwei individuelle Gestalten - ebenso, wie meine christliche und meine buddhistische Praxis voneinander verschieden sind - sie schliessen sich jedoch gegenseitig nicht aus, sondern ein. Die Umarmung bringt Frieden.

Ein längerer Auszug aus dem Text hier

Gruss, erbreich


Schöner Beitrag, Erbreich.

Nur frage ich mich, was hat der Zen Buddhimus mit dem Erfahren, Sehen und verarbeiten von Bildern, Personen und Gestalten zu tun? Eigentlich ist das Grundanliegen des Buddhismus doch genau das Gegenteil.

Aber was hier und in der Gemeinde vorgelebt wird, die Demonstration des Friedens zwischen den verschiedensten Religionen, das ist eine wunderschöne Sache.

Vielleicht noch hierzu und aus dem Test der Web-Site:

" Er hat die Symbiose zwischen Christentum und Buddhismus erfahren, sagt Taiku Güttler, die Verschmelzung zum „All-Ein-Sein“, die Umarmung Jesu mit dem „Erwachten“ (= Buddha) Siddhartha Gautama, das Verschwinden der Konturen, die die Religionen und Kulturen zu trennen scheinen. Bei ihm legte sich ein Schalter um, als man ihn in japanischen Zen-Klöstern aufforderte, nicht mehr nur zu glauben und zu vertrauen, sondern selbst zu erfahren."

das letzte und höchste Erfahren und "Nichtziel" im Zen ist doch nicht das Erfahren und Sehen von Bildern und Personen. Oder liege ich da falsch?

Grüsse,

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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Sa 29. Jun 2013, 19:43

Hallo schokotimmi
schokotimmi hat geschrieben:das letzte und höchste Erfahren und "Nichtziel" im Zen ist doch nicht das Erfahren und Sehen von Bildern und Personen. Oder liege ich da falsch?

Da ich selber nicht Zen praktiziere, kann ich dazu nicht viel sagen. "Nur eines", sagte der Buddha, lehre er, nämlich "das Leiden und das Erlöschen des Leidens". Der Weg zum Erlöschen des Leidens wird in den verschiedensten buddhistischen Traditionen und Schulen sehr unterschiedlich praktiziert. Ich praktiziere seit über dreissig Jahren Satipatthana, die Vergegenwärtigung der Achtsamkeit auf den Körper, die Gefühle, die Gemütszustände und die Gedanken. Satipatthana ist dem Zen recht nahe darin, dass der Weg zuallererst ein Weg des reinen, vorurteilsfreien Beobachtens ist. Gut erklärt hat das Georg Schmid bereits 1984 in seinem Buch "Wo das Schweigen beginnt. Wege indischer und christlicher Meditation", hier ein Auszug daraus. Eine Einführung für Christen zum Thema findest du auch auf meiner Website (unter meinem Foto).

Hast du selber buddhistische Meditationserfahrung? Es würde mich interessieren, was Christen an positiven Erfahrungen damit gemacht haben. Wenn es hier solche gibt...

Aber was hier und in der Gemeinde vorgelebt wird, die Demonstration des Friedens zwischen den verschiedensten Religionen, das ist eine wunderschöne Sache.

Ja, dieser Aspekt ist auf jeden Fall wertvoll.

Gruss, erbreich
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Mo 1. Jul 2013, 21:16

erbreich hat geschrieben:Da ich mich selber ebenfalls sowohl als Christ als auch als Buddhist erlebe, bin ich interessiert an Beiträgen von Christen, die auf ihrem Weg als Christen durch buddhistische Meditation positive Erfahrungen und eine Vertiefung ihrer Spiritualität, ihres Glaubenslebens erleben.

Gibt es hier tatsächlich (ausser mir) niemanden, auf den dies zutrifft?
Liest hier jemand mit, der christliche Kontemplation praktiziert, wie z.B. das Jesus- (oder Herzens-) gebet?
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Columba » Di 2. Jul 2013, 17:17

...ich sehe aber nicht, was das Jesusgebet mit dem Buddhismus zu tun hat, das ist ja in der Bedeutung gerade das Gegenteil vom Buddhismus - auch wenn die äusserliche Praxis ähnlich erscheint.


Grüße Columba
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Mi 3. Jul 2013, 11:29

Columba hat geschrieben:...ich sehe aber nicht, was das Jesusgebet mit dem Buddhismus zu tun hat

Wenn du beispielsweise den Klassiker von Franz Jalics zum Jesusgebet liest und den Klassiker von Nyanaponika zu Satipatthana, dann wirst du viele Übereinstimmungen finden. Aber nicht durch theoretisches Sich-Gedanken-machen oder Bücher lesen kommt man zur Wahrheit, sondern durch die ganz konkrete Praxis des Weges - in Zeiten der Abgerschiedenheit und im Alltag.

Ich möchte mich hier nicht über blosse Theorien unterhalten, sondern Erfahrung austauschen. Praktizierst du das Jesusgebet? Oder eine andere Form des Herzensgebets? Ich habe das Jesusgebet ein gutes Jahr lang kontinuierlich praktiziert und in Satipatthana bin ich mehr als mein halbes Leben lang schon zuhause: Ich durfte eine grosse Übereinstimmung in diesen beiden Kontemplationswegen erleben. Nicht was die Ideologie (Philosophie, Theologie) angeht eben, aber in der konkreten Wirksamkeit der Praxis in Gebet und Meditation und nicht zuletzt in der Umsetzung im Alltag.

Gruss, erbreich
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Schoham » Mi 3. Jul 2013, 11:53

Lieber Erbreich

Auf die Art wie Du es Dir wünschst kann ich Dir nicht Antwort geben und doch möchte ich mit Dir reden ;).

Seit ich mich viel in Gottes Wunderbarer Schöpfung aufhalte, arbeite und darüber staune hat sich in mir etwas verändert dass ich als Tiefe und Ruhe empfinde. Mein Beten kommt aus meinem inneren ohne Hilfsmittel von aussen...Ausser das was Gott erschaffen hat: Sonne, Mond, Sterne, Menschen, Tiere, Bäume, Sträucher, Blumen, Wasser, Steine, Sand, Wolken und der Wind...... :)). Diese Dinge schenken meinem Herzen Freude und Anbetung. Sie sind mir genug und ich benötige keine von Menschen angefertigten Mittel um Gott zu erkennen. Im Geist und in der Wahrheit Gott anbeten verstehe ich als ein im Willen Gottes sein und leben.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Columba » Mi 3. Jul 2013, 11:58

@erbreich


Gerade bei Jalics findest Du deutlich den Unterschied:

Jalics setzt in seinen Exerzitien und Schriften den dreieinigen Gott voraus, der persönlich ist und vom Menschen unterschieden ist und in Jesus Christus Mensch geworden ist. Dies setzt ein direktes Handeln Gottes voraus. ...und dies ist mal nicht Buddhismus. Du kannst doch nicht einfach Jesus Christus instrumentalisieren, auch nicht die christlichen Gläubigen und ihnen absprechen, dass ihre Grundaussagen nicht auch gelten. Diese Rosinenpickerei hatten wir schon einmal bei Eckhart.

Ja, ich kenne das Herzensgebet - aber auch Jalics, und auch die ZenlehrerInnen Lasalle, Brantschen und Gyger (die letzten beiden perösnlich). Lasalle schriebtin seinen Schriften deutlich, dass der dreieinige Gott im Christentum den Unterschied zum Buddhismus wesentlich ausmacht. Brantschen und Gyger beweisen im Gottesdienst und in ihren Reden das gleiche. Diese Vermischerei der Religionen, indem man v.a beim Christentum den Grundkern abstreicht, bringt nichts. Äusserlich kann das Jesusgebet buddhistisch angehaucht verstanden werden. Aber der Ansatz des Jesusgebetes ist ein grundsätzlich anderer.


Ja, ich kenne das Jesusgebet.


Grüsse Columba
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Mariette M. » Mi 3. Jul 2013, 12:28

erbreich hat geschrieben:Nicht was die Ideologie (Philosophie, Theologie) angeht eben,


Lieber Erbreich,
Du kannst die Theologie nicht vom Jesusgebet trennen.

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner, (des Sünders).

Das ist Glaubensbekenntnis und Lebensübergabe an den Dreieinen Gott zugleich.

Glaube: Jesus ist Herr, Jesus ist der Christus, Jesus ist der Sohn Gottes, was beinhaltet, dass es auch Gott Vater gibt und dass wir nur im Heiligen Geist den Vatergott und Jesus als Herrn bekennen können. Also die Trinität.

Lebensübergabe: Erbarme Dich heisst nicht, wie oft angenommen, soviel wie "verzeih mir"... sondern es heisst: Nimm Dich meiner an, hilf mir, nimm mein Leben unter Deinen Schutz, ...

des Sünders: Das vollständige Gebet klärt das Verhältnis von Gott und Mensch.

Du bekennst Dich also allein schon durch das "Praktizieren"... (welch ein Wort!!!!) als Christ. Also nix mehr mit Buddhismus.

(und ja, ich weiss, dass es Buddhisten gibt, die meinen, sich gleichzeitig als Christen bezeichnen zu können...aber das klappt nicht)

(als orthodoxe Christin bete ich das Jesusgebet, ja)
Lg Mary
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Gnu » Mi 3. Jul 2013, 13:12

Weshalb ich das Jesus-Gebet nicht spreche: Ich habe soeben die Wikipedia-Seite, welche Erbreich angab, gelesen. Dort steht ganz klar, dass es sich um ein häufig zu wiederholendes Gebet handelt (für Anfänger täglich 3 mal 30 Gebete), mit immer den gleichen Worten. Was Jesus dazu meint, lese ich in Matthäus 6.7. :roll:
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Mariette M. » Mi 3. Jul 2013, 14:59

Gnu hat geschrieben:Weshalb ich das Jesus-Gebet nicht spreche: Ich habe soeben die Wikipedia-Seite, welche Erbreich angab, gelesen. Dort steht ganz klar, dass es sich um ein häufig zu wiederholendes Gebet handelt (für Anfänger täglich 3 mal 30 Gebete), mit immer den gleichen Worten. Was Jesus dazu meint, lese ich in Matthäus 6.7. :roll:


Ach, Gnu....

erstens ist Wiki nun wirklich keine unfehlbare Quelle,
zweitens steht dort eindeutig, dass EIN spiritueller Lehrer SEINEN Schülern diese Anzahl aufgab.

Ganz richtig steht nämlich in dem Wiki-Artikel auch:
Um Einseitigkeiten und Verfälschungen der Übungsidee zu vermeiden, ist es sinnvoll einen Lehrer oder spirituellen Ratgeber hinzuzunehmen, der schon Erfahrung damit hat;

Ohne Anleitung geht garnichts.
Und dass ein Buch eine gute Anleitung für einen individuellen Beter sein kann, das bestreite ich.

Nun aber zu Mt 6,7:
Inwiefern soll denn ein innerlich gesprochenes Gebet "Plappern" sein?
Inwiefern sollten denn "die Heiden" den Namen Jesu anrufen?

Ich glaube, dass Jesus mit dieser Anleitung meinte: Haltet Euch an die Anweisungen - auch an das Gebet, das ich Euch gebe ; Macht nicht viele Worte. Mehr ist nicht mehr. Betet in MEINEM Namen. Betet ohne Unterlass, das hat Paulus gesagt. Und beten ohne Unterlass im Namen Jesu... genau das ist das Jesusgebet.

Und, so leid es mir tut, die wenigen Male, wo ich an Mt 6,7 erinnert wurde, war, wenn ich mir freikirchlichen Christen zusammen betete: "Jesus, also ich möchte Dir einfach sagen, also ich bete Dich an und also ich möchte Dich einfach bitten......"

Lg Mary
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Schoham » Mi 3. Jul 2013, 15:15

Liebende Eltern freuen sich bestimmt nicht, wenn ihr Kind in ganz kurzer Zeit hintereinander viele mal das gleiche bittet oder redet. In einer von Vertrauen getragenen normalen Eltern/Kind Beziehung wäre ein solches Verhalten befremdlich. Die Eltern müssten sich fragen, ob ihr Kind noch gesund ist...... Wo sie erkennen, dass es dem Kind mit dem Wunsch ernst ist und es desshalb beharrlich immer wieder mal nach Tagen oder Wochen nachfragt, da werden sie, so es dem Kind zum Guten wirkt, zur rechten Zeit die Bitte erfüllen.

Die Beziehung zum Vater im Himmel ist der Art der Eltern zu ihren Kindern nicht unähnlich. Hat Gott doch den Menschen zu Seinem Bilde geschaffen und Jesus gesagt, wer ihn sieht, der sieht den Vater.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Mi 3. Jul 2013, 16:04

@Mariette und Columba

Ihr beide kennt und praktiziert das Jesusgebet. Was erlebt ihr dabei?
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Mariette M. » Mi 3. Jul 2013, 16:11

Schoham hat geschrieben:Liebende Eltern freuen sich bestimmt nicht, wenn ihr Kind in ganz kurzer Zeit hintereinander viele mal das gleiche bittet oder redet. In einer von Vertrauen getragenen normalen Eltern/Kind Beziehung wäre ein solches Verhalten befremdlich. Die Eltern müssten sich fragen, ob ihr Kind noch gesund ist......

Oi, Schoham,
Du weisst es also besser als Theophan der Klausner und Paulus und all die anderen grossen Beter. Nicht schlecht.
Ich glaube, sie nehmen es dir nicht übel und sehe sie im Himmel lächeln...
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Mariette M. » Mi 3. Jul 2013, 16:17

erbreich hat geschrieben:@Mariette und Columba

Ihr beide kennt und praktiziert das Jesusgebet. Was erlebt ihr dabei?

Man soll das Jesusgebet nicht beten, um etwas zu "erleben".

Ich nutze es als spirituelle Waffe und um mich an Jesus zu binden.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Mi 3. Jul 2013, 16:32

Mariette M. hat geschrieben:Ich nutze es als spirituelle Waffe und um mich an Jesus zu binden.

Ich erlebte es jeweils so, dass mir das Jesusgebet die Bewusstheit um Jesu Gegenwart erweckte und vertiefte. Ist es das, was du mit "mich an Jesus binden" bezeichnest?

Inwiefern siehst du das Jesusgebet als "Waffe"?
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Mi 3. Jul 2013, 16:46

Mariette M. hat geschrieben: Das vollständige Gebet klärt das Verhältnis von Gott und Mensch.

Ja, das ist richtig.

Man soll das Jesusgebet nicht beten, um etwas zu "erleben".

Natürlich ist die Absicht des Gebets nicht das Erleben, eigentlich sollte es überhaupt nicht mit Absichten verbunden, sondern einfacher Ausdruck des Gott liebenden Herzens sein. Es wäre aber eigenartig, wenn dieses liebende Zusammensein mit Jesus im Jesusgebet nicht auch mit emotionalem und gedanklichem Erleben verbunden wäre - ja, auch mit körperlichem Erleben (Weinen beispielsweise, oder Freude usw). Und das Erleben während der Gebetszeit wirkt sich ja dann auch über die Gebetszeit hinaus aus und erhält Ausdruck im Tätigsein des Alltags. Wer z.B. im Gebet Erlösendes erlebt, Vergebung erfährt, der wird dann auch seinen Mitmenschen gegenüber in hohem Masse vergebungsbereit sein... oder wer sich als geliebt erfährt, wird zu Liebe fähig...

Es geschieht sehr viel in den Zeiten des Gebets im stillen Kämmerlein...
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Mariette M. » Mi 3. Jul 2013, 18:31

erbreich hat geschrieben: eigentlich sollte es überhaupt nicht mit Absichten verbunden,

Das würde ich so nicht unterschreiben.
Es kann beispielsweise eben auch als Waffe dienen. Gegen Versuchungen, gegen Sünden. Wenn ich versucht bin, meinen Nächsten zu verurteilen oder anzuschreien oder was weiss ich.. dann ist das Gebet mit voller Absicht als Abwehr eingesetzt.
erbreich hat geschrieben: sondern einfacher Ausdruck des Gott liebenden Herzens sein.

Auch... aber nicht nur.
erbreich hat geschrieben: Es wäre aber eigenartig, wenn dieses liebende Zusammensein mit Jesus im Jesusgebet nicht auch mit emotionalem und gedanklichem Erleben verbunden wäre - ja, auch mit körperlichem Erleben (Weinen beispielsweise, oder Freude usw).

Liebendes Zusammensein... das ist mir zu süss.
Das Jesusgebet soll auf Jesus verweisen.
Gedanken werden sofort weggewiesen, sie lenken ab.
Emotionen sind gefährlich. Der Widersacher ist gut darin, "gute Gefühle" zu schenken.
Tränen und Freude, ja, das kann sein. Es sind aber leise, reinigende Tränen, leise Freude, nix Emotionales.
erbreich hat geschrieben:Wer z.B. im Gebet Erlösendes erlebt, Vergebung erfährt, der wird dann auch seinen Mitmenschen gegenüber in hohem Masse vergebungsbereit sein... oder wer sich als geliebt erfährt, wird zu Liebe fähig...

Wir wissen und haben erfahren, dass Gott uns vergeben hat - und es immer wieder tut - und dass Er uns zuerst geliebt hat.
Unser Vergeben und unsere Liebe darf nicht abhängen von unserem Erleben. Sie sind uns geboten.

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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Columba » Do 4. Jul 2013, 10:14

@erbreich

ich kann mich hier in vielem Mary anschliessen, wobei ich allerdings den Ausdruck Waffen etc. nicht gebrauchen würde.

Gebete haben aber Absichten: Fürbitten, Dank, Wünsche, Anbetung und sogar Klagen gehören eben auch zum Gebet. Nur Absichtslosigkeit beim Gebet ist sicher nicht mehr christlich. siehe auch das Vater unser.

wir erleben nicht einfach etwas im Jesusgebet, wir antworten damit auf die Sicherheit und dem Wissen, dass Jesus Christus gegenwärtig ist, weil er uns im Heiligen Geist gegenwärtig ist. Man erlebt nicht die Vergebung im Gebet, sondern es geht ums Wissen das vergeben wurde - und bitten um die Kraft anderen vergeben können. ...und diese Sicherheit führt zu Emotionen und gleichzeitig versichert Jesus Christus auch, dass diese Emotionen in seiner "Kontrolle" sind.

Ich meine, dass Buddhisten nicht sehen, wie entscheidend im Glaubensleben der Christen die Taufe als Sakrament (auch andere Sakramente wie Abendmahl/Eucharistie) ist. ...ohne dieses spezifische Verständnis gehts nun einmal nicht - das Jesusgebet, das nur gesprochen, tief meditiert, gebetsmühlenartig wiederholt, etc. wird, ist dann eine Formel, die zwar Erleben bewirkt - aber an Jesus Christus vorbei geht.


Grüsse Columba
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Mariette M. » Do 4. Jul 2013, 10:36

Columba hat geschrieben:ich kann mich hier in vielem Mary anschliessen, wobei ich allerdings den Ausdruck Waffen etc. nicht gebrauchen würde.


Lieber Columba,
es stimmt, dieses kriegerische Vokabular ist ungewohnt im Zusammenhang mit Christentum. Es entstammt jedoch direkt den Briefen von Paulus, bsp Eph 6,11
Legt die Rüstung an, die Gott für euch bereithält; ergreift alle seine Waffen! Damit werdet ihr in der Lage sein, den heimtückischen Angriffen des Teufels standzuhalten.
oder 2 Kor 10,4
Die Waffen, mit denen wir unseren Kampf führen, sind nicht die Waffen dieser Welt.

Nur schon die Suche nach "Kampf" ergibt einige Treffer in den NT Schriften. ;)
Mag sein, dass die Orthodoxie dieses Dranbleiben im Kampf gegen Versuchung und Nachlässigkeit mehr betont als andere christliche Gemeinschaften. Wir sehen auch in Christus viel mehr den SIEGER - JCXC-NIKA, als das Opferlamm.
(vielleicht gerade deshalb spricht die Orthodoxie viele Männer an?)

Lg Maria
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Columba » Do 4. Jul 2013, 11:09

Liebe Mary

da OT, nur eine kurze Bemerkung zu Eurer "kriegerischen orthodoxen" Männerwelt :-) :

Da Krieg und Frieden in der Antike eine andere Bedeutung hatten in der Wahrnehmung der Umwelt, sollte m.E. mit Rüstung etc. heute vorsichtiger umgegangen werden, denn das kann sonst missverständlich werden - auch wenn es in der Bibel noch so steht.

Grüsse Columba
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Do 4. Jul 2013, 11:32

Columba hat geschrieben:Ich meine, dass Buddhisten nicht sehen, wie entscheidend im Glaubensleben der Christen die Taufe als Sakrament (auch andere Sakramente wie Abendmahl/Eucharistie) ist. ...

Nur damit das klar ist: Ich habe das Sakrament der Taufe - im Wasser und im Geist - erlebt, und zwar nicht als Baby, sondern als 43 jähriger Mann. Auch der Wert des Abendmahls ist mir durchaus bewusst, allerdings liegt meine letzte Teilnahme an einem Abendmahl ein paar Jahre zurück.

ohne dieses spezifische Verständnis gehts nun einmal nicht

Das ist ein Unterschied zur buddhistischen Meditation und es ist klar, dass es ohne dieses Verständnis für einen Christen nicht geht. Der Buddhist hat an der Stelle der Geistestaufe - als analoges Geschehen - den Stromeintritt.

- das Jesusgebet, das nur gesprochen, tief meditiert, gebetsmühlenartig wiederholt, etc. wird, ist dann eine Formel, die zwar Erleben bewirkt - aber an Jesus Christus vorbei geht.

Das ist klar. Wenn ich heute ins Jesusgebet einsteige, dann ist das kein gebetsmühlenartiges Mantra, das ich stumpf wiederhole, sondern dann begebe ich mich in Jesu Gegenwart und was dann stets auch ganz zentral gegenwärtig wird, ist sein Kreuz. Und da stehe (oder sitze) ich dann vor Jesus am Kreuz und erlebe dann manchmal das, was Mariette so beschrieben hat:

Tränen und Freude, ja, das kann sein. Es sind aber leise, reinigende Tränen, leise Freude,

Bevor ich eine solche Reinigung erlebe, sind aber durchaus immer auch Gedanken da, Gedanken über meine Schwierigkeiten oder Dankbarkeiten, die ich Jesus mitteile - manchmal in Worten, manchmal auch eher durch meine blosse Gemütsverfassung.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Columba » Do 4. Jul 2013, 12:43

erbreich hat geschrieben:Das ist ein Unterschied zur buddhistischen Meditation und es ist klar, dass es ohne dieses Verständnis für einen Christen nicht geht. Der Buddhist hat an der Stelle der Geistestaufe - als analoges Geschehen - den Stromeintritt.

Du meinst damit das Sottapanna?

So wie ich es verstehe ist es eben nicht analog zum Christentum sondern das Gegenteil: Im Sakrament geht es um eine sichtbare, konkrete Handlung, welche die unsichtbare Existenz als Heilswirker gegenwärtig macht. Es ist also ein Gotteshandeln und nicht ums Eintreten in einen Strom als ersten Schritt, wie es die Bedeutung von Sotapranna ist.

Im Christentum ist das Heil durch Gottes Handeln schon ganz gewirkt und Voraussetzung für den Weg der Heiligung - auch wenn der Mensch noch auf dem Weg zur Heiligung ist. Im Sakrament ist eigentlich, vereinfacht ausgedrückt, der Übergang Gottes zum Menschen Ausgangspunkt und nicht mein Eintreten in den "Strom" zur "Erleuchtung".

Ich weiss, die Aussagen über das Sakrament ist etwas vereinfacht ausgedrückt. Die verschiedenen Konfessionen sehen es etwas unterschiedlich, jedoch dürfte überall das Wirken eines persönlichen Gott stimmen. Persönlich nicht verstanden als eigenen Gott sondern als "Gott-Person". Deshalb kannst Du als Christ nicht Buddhist sein: weil die Voraussetzungen unvereinbar ist.


Grüsse Columba

PS
Das ist auch der Grund, warum Du keine Antwort bekommen hast, als Du vom "Praktizieren" gesprochen hast, auch das Erleben drückt das Wichtigste nicht aus für Christen.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Do 4. Jul 2013, 13:15

Columba hat geschrieben:das Erleben drückt das Wichtigste nicht aus für Christen.

Es kommt immer darauf an, wovon wir sprechen. Auch für Buddhisten drückt das Erleben nicht das Wesentliche aus, denn alles Erleben gehört der zeitlichen und damit der Vergänglichkeit und dem Tode unterworfenen Dimension an.

Worüber ich hier sprechen möchte, das ist über das Erleben, das ich als Mensch habe oder haben kann, wenn ich mich auf das Zeitlose, das Ewige oder den Ewigen ausrichte, wie ich es eben im Gebet und in der Meditation konkret - aber auch im Alltag als grundlegende Lebenseinstellung - tue. Natürlich ist mein Erleben nicht identisch mit Gott und daher nicht das Wichtigste, wie du richtig sagst.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Benji » Do 11. Jul 2013, 21:44

Ich habe selber selten über lange Zeiträume regelmässig meditiert, und kann deshalb auch keine tiefergehenden Erfahrungen liefern. Bevor ich mich hier angemeldet und mit dem Lesen des NT begonnen habe, war ich aber sehr interessiert am Buddhismus, deshalb auch meine Meditationsversuche.
Vielleicht ist es nicht ganz im Thema, aber eine Frage habe ich hier doch, weil ich dem ganzen nicht so folgen kann. Ich wurde nicht im Namen irgendeiner Religion erzogen, und habe mir deshalb durch leider oft unzuverlässige Quellen Bilder von verschiedenen Religionen gemacht. Ich habe kürzlich eine ICF-Predigt gesehen, in der es darum ging, ob es nur eine Religion geben kann, und das hat mein Interesse an diesem Thema wieder aufgefrischt. Dort wurde zweifelsohne gesagt, dass nur durch Jesus zu Gott gefunden werden kann.
Trotz nur sehr oberflächlichem "Wissen" scheint mir aber bis heute, dass sich diese zwei Religionen eigentlich nicht ausschliessen, sondern wirklich gar nicht so verschieden sind, nur andere Schwerpunkte hervorheben. Während es bei den Buddhisten um eine Erkenntnis durch eigene Bemühngen geht, geht es bei Christen um Glauben, der durch Beten erlebt und bestätigt werden kann.
Daraus folgt meiner Meinung nach, dass die Frau, die diese Predigt hält, davon ausgeht, dass diese buddhistische Erkenntnis schlicht und ergreifend nichts mit Gott zu tun hat. Ich habe keine tiefgehende Kenntnisse über das Christentum und erst recht nicht über den Buddhismus. Trotzdem wäre ich froh, wenn mir jemand einmal grundsätzlich erklären könnt, wo ihr denn genau erkennt, dass diese Religionen so völlig unvereinbar sind, wie hier viele denken, denn irgendwie sehe ich diesen Punkt nicht. Dass die Buddhisten Gott und seinen Sohn nicht kennen, spricht doch nicht grundsätzlich deren Existenz ab. Auch dass die Lebenspraxis und Rituale völlig verschieden sind, spricht doch noch nicht dagegen, dass nicht beide auf verschiedenen Wegen zum Ziel führen könnten? Als Christ versucht man ohne Sünde zu leben, und auch als Buddhist bewirkt der Glaube an ein Karma lässt ihn doch (fast?) nach den selben Idealen leben, wie ein Christ.
Ich merke schon, dass ich euren bisherigen Beiträgen nicht folgen konnte, weil mir insbesondere über den Buddhismus ein tieferes Wissen fehlt. Aber könnte mir jemand, über beide Religionen grundsätzlich Bescheid weiss, den (oder die) Unterschied(e) nennen, der so gravierend ist, dass man nicht Buddhist und Christ gleichzeitig sein könnte? Kann man als Christ wrklich sagen, dass der Buddhismus im Endeffekt nicht zum Ziel (Gott führt), und das irgendwie untermauern?

So, hoffentlich bin ich hier nicht völlig falsch, weil ich mich zu etwas äussere, von dem ich im Prinzip keine Ahnung habe oder das nicht hierhin gehört...

Liebe Grüsse

Benji
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon onThePath » Fr 12. Jul 2013, 10:05

Es ist schwierig, sowohl das Christentum als auch den Buddhismus bis in "Feinheiten" hinein richtig zu begreifen.

Setze ich mal mit Gedanken über das Meditieren an.

Im Buddhismus geht es zentral um eine Bewußtseinsveränderung, die den menschlichen Geist die Wirklichkeit Gottes, seine jenseitige Welt, erleben lassen sollen. Sie wollen die Einheit und die Identifikation mit einem "Göttlichen" erreichen mittels auch einer Entpersönlichung. Das existiert schon lange vor dem Buddhismus im Hinduismus und in der hinduistischen Methode des Yoga.

Das ist ein Ziel, das die Bibel absolut nicht kennt.

Das christliche Mönchstum kennt aber schon früh das Streben danach, Gott zu erleben und bedient sich auch Praktiken der "Innenschau" dabei. Auch hier konzentriert sich das ganze Leben des Suchenden auf Gott (und Christus).

Das wird aber in keiner Weise von Jesus gelehrt und auch nicht von seinen Jüngern. Im Christentum existiert die Wichtigkeit der Meditation deshalb eigentlich gar nicht. Aber kontemplative Mönche haben da eben auch nach Wegen in das Erleben der Wirklichkeit Gottes gesucht.

Jenseitskontakte, auch religiös wie heutzutage das Channeling werden von der Bibel abgelehnt.
Auch der Yogi und Buddhist wird zumindest einiges ablehnen, wie etwa das Augenmerk auf das Erlangen höherer Fähigkeiten. Weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass dies ablenkt. Christliche Mönche differenzieren da, weil sie erkannt haben, dass höhere Fähigkeiten von Dämonen kommen können. Gemäß dem Wissen der Christen, dass sogar Weiße Magie die Quelle der Finsternis haben kann.

Deshalb am Anfang sofort ein Dämpfer: Wer übernatürliche Erfahrungen für spirituellen Fortschritt hält (Astralwandern, Hellsehen z.B.) kann in Wirklichkeit in den Einfluß dämonischer Mächte geraten sein vor lauter Unwissenheit. Dass Derjenige dann auch weiterhin in seiner "spirituellen Entwicklung" ein Opfer der Manipulationen verführerischer Geister ist, leuchtet ein. Manche Mönche haben einen harten Kampf gegen solche Einflußnahme gehabt. Umsessenheit, geistige Kämpfe und sogar körperliche Auswirkungen.

Wer also als Freigeist Gott erleben möchte, hat gute Aussichen, von verführeischen Geistern manipuliert zu werden.
Diesem Betrug unterliegt auch der New Age mit seinem Gedankengut und der daraus resultierenden "meditativen" Praxis.

Christliche Mönche rechnen also damit, dass sie etwas aus der geistigen Welt erleben können, das von Irrgeistern bewirkt wird: Verführerisch, verblendende Erlebnisse.

Man muß also immer unterscheiden und interpretieren. Wird man nur geblendet von was angeblich Wertvollem, Wunderbaren, oder hat man etwas von Gott erlebt und ob man es dann ebenfalls richtig interpretiert dem Gehalt und der Bedeutung nach. Dere Mönch muß ein Gespür dafür entwickeln, was in ihm zu wirken versucht.

Wer meint er kenne die Gefahren und sei schlauer, der sei gewarnt. Der braucht sich nicht hinterher zu wundern, dass der Erzengel der mit ihm Kontakt aufnahm, gar keiner war. Dieser Betrug wird oft gar nicht erkannt, da die verführeischen Geister einen allzu gerne mit Erlebnissen "beschenken", die gut zu den irrigen Vorstellungen desjenigen passen. So vertreten sie ihre falschen Vorstellungen, gestützt durch falsche Erlebnisse öffentlich.

Nun dürfte schon mal klar sein, dass Meditation nichts Belangloses, nichts einfaches ist.

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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Benji » Fr 12. Jul 2013, 20:54

Danke für deine Antwort. :D
Mir scheint, da liegt wirklich der grosse Unterschied. Ich habe mich selber auch eine Zeitlang mit Astralreisen versucht, aber wenn ich das lese, zum Glück ohne grösseren Erfolg. Was ich aber aus dieser Erfahrung sagen kann, dass Astralreisen und Meditation nicht viel miteinander zu tun haben. Astralreisen ist dem Ziel nach (das kenne nur aus Büchern, ich bin nie soweit gekommen) wirklich das betreten von Neuland, um irgendwie mehr über unsere Existenz hier und auch im feinstofflichen Bereich und das Leben der Seele abseits des Körpers kennenzulernen. In Meditation geht es aber soweit ich das (leider auch nur sehr oberflächlichen Erfahrungen) kennenlernen konnte nicht um eine andere Welt, sondern um das selbst (zumindest für Anfänger wie mich), das heisst, um die volle Kontrolle über sein Bewusstsein zu erhalten und das nie enden Gedankenchaos einmal herunterzufahren. Ich versuchte irgendwie in einen Zustand zu kommen, aber nicht wirklich an einen anderen Ort, deshalb schätze ich das auch weniger gefährlich.
Aber das scheint mir ein bedeutender Unterschied zu sein, der "Durchschnittschrist", wenn man das so sagen darf, bleibt also eher in seinem bekannten, alltäglichen Leben und sucht so Verbindung zu Gott, während der Buddhist vor allem in der Tiefe seiner Selbst nach Erleuchtung sucht... Übrigens habe ich noch eine Theorie gelesen, weshalb die Buddhisten Mühe mit der Vorstellung von Gott haben: Weil Gott "gut" sei, schliesse das alle nicht-guten Eigenschaften aus, und somit sei er nicht der allmächtige und vollumfängliche Schöpfer, den man als Christ sieht, sprich in Gott liegt nicht die ganze Wahrheit und nicht das gesamte Wesen von allem, und diese Dualität scheint nicht ins Bild der Buddhisten zu passen, die etwas ganzes erkennen möchten. Man berichtige mich, wenn ich etwas missverstanden habe, aber das schien mir noch ein weiterer plausibler Unterschied zu sein.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » So 14. Jul 2013, 11:40

Benji hat geschrieben:Trotz nur sehr oberflächlichem "Wissen" scheint mir aber bis heute, dass sich diese zwei Religionen eigentlich nicht ausschliessen, sondern wirklich gar nicht so verschieden sind, nur andere Schwerpunkte hervorheben.

Hallo Benji
Es gibt inzwischen viele Buddhisten und auch viele Christen, die durchaus die beiden Wege als sich nicht widersprechend verstehen und sogar gehen können. Ein bekanntes Beispiel unter Buddhisten ist Thich Nhath Hanh (hier etwas dazu); unter Christen zum Beispiel Niklaus Brantschen.

Dass fundamentalistische Buddhisten (vor allem aus dem Umfeld des Theravada-Buddhismus) einem Thich Nhat Hanh (und anderen, die ähnliche Wege gehen) das echte Buddhistsein absprechen - ebenso wie fundamentalistische Christen (vor allem aus dem freikirchlichen Umfeld) einem Niklaus Brantschen (und anderen, die ähnliche Wege gehen) das echte Christsein absprechen - ändert an deren authentischer Nachfolge nichts.

Gruss, erbreich
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Mariette M. » So 14. Jul 2013, 11:56

erbreich hat geschrieben: das echte Christsein absprechen - ändert an deren authentischer Nachfolge nichts.


Naja, das sei mal dahingestellt.

Was mir einfach nicht einleuchten will: Warum muss man ums Verworgen verschiedene Religionen "in Einklang bringen" und so mischen?
Mir genügt der christliche Weg.. ich habe vollauf genug damit zu tun, die Nachfolge Christi ernsthaft zu gehen.
Warum Umwege gehen, wo wir doch den direkten Weg kennen?

Lg Marietta
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon onThePath » So 14. Jul 2013, 12:12

Außerdem gibt es seit mindestens 1700 Jahren kontemplative christliche Mönche.
Auf ihre Erfahrungen kann jeder Christ zurückgreifen.

lg, oTp
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » So 14. Jul 2013, 13:11

Mariette M. hat geschrieben:Warum muss man ums Verworgen verschiedene Religionen "in Einklang bringen"...?

Das muss man keineswegs, so möchte ich nicht verstanden werden. Ich würde nie einem Christen sagen, er müsse Buddhismus oder buddhistische Meditation praktizieren. Ebenso würde ich nie einem Buddhisten sagen, er müsse sich zu Jesus bekehren.

Was ich hier versuche ist, darzulegen und Verständnis dafür zu wecken, dass es möglich ist, beide Wege zu gehen. Dazu muss man sie noch nicht einmal verwischen. Eher ist es eine Frage von "Übersetzungsarbeit" für jemand, der gerne beide Wege zumindest verstehen und respektieren möchte.

Bei mir persönlich ist es schlicht eine Erfahrungstatsache, dass ich beide Wege ganz konkret betreten habe und nun auf beiden Wegen weitergehe. Um ein Bild zu benützen: Es ist wie wenn die Mitte des einen Weges (ähnlich einer Strasse) durch eine Linie gekennzeichnet wäre und ich in der Mitte des Weges gehen würde. Mit dem einen Fuss auf dieser Seite und mit dem andern auf der andern Seite auftretend. Gelegentlich auch ganz die Seite wechselnd und mal links oder mal rechts gehend: Die Linie ist eine gestrichelte, durchlässige. Der Weg aber ist einer. Die Wahrheit ist eine. Das Leben ist eines.

In mir sieht es eben so aus, dass Christus und Buddha sich umarmen. Das ist mein Erleben, meine Erfahrung, und wie wohl jeder Mensch sich gerne mit Menschen trifft und unterhält, die ähnliche Erfahrungen haben um sich mit ihnen auszutauschen, so geht es auch mir. Ich erwarte von niemand anderem, dass das bei ihm auch so sein müsse. Ich suche aber das Gespräch mit Menschen, die es auch so erleben.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Trixi » So 14. Jul 2013, 16:50

Mariette M. hat geschrieben:
erbreich hat geschrieben: das echte Christsein absprechen - ändert an deren authentischer Nachfolge nichts.


Naja, das sei mal dahingestellt.

Was mir einfach nicht einleuchten will: Warum muss man ums Verworgen verschiedene Religionen "in Einklang bringen" und so mischen?
Mir genügt der christliche Weg.. ich habe vollauf genug damit zu tun, die Nachfolge Christi ernsthaft zu gehen.
Warum Umwege gehen, wo wir doch den direkten Weg kennen?

Lg Marietta


Ich bin von Geburt an mit der christlichen Lehre "gefüttert" worden und lebe schon mein Leben lang bewusst mit Gott in dieser Lehre. Durch verschiedene Wege in meinem schon recht langen Leben habe ich die christliche Lehre in vielen verschiedenen Schattierungen erlebt und festgestellt, dass man sich nicht wirklich einig ist im christlichen Lager. Auch wenn man die Einigkeit immer wieder hochhält wie ein Banner, das beweisen soll, was nicht wirklich zu erkennen ist.

Jeder bezeichnet das als DIE christliche Lehre als die Wahrheit, was man selbst verstehen und wahrnehmen und in Worten ausdrücken kann. Alles was darüber hinaus geht, wird oft abgelehnt im Sinne von Feindschaft dagegen. Begründet wird das mit Satzungen, die von Menschen festgelegt wurden, aber als göttlich deklariert wurden.

Man hat mir früher auch immer gesagt, dass Leute, welche sich nach anderen Dingen ausstrecken als man gelernt hat und DIE Wahrheit nicht anerkennen, suchen immer noch mehr als Jesus oder das Wort Gottes.
Dabei ist es genau anders herum.

Ich persönlich habe für mich festgestellt, dass so Einiges in der angeblichen Wahrheit nicht zusammenpasst. Da wo ich auf die Suche nach der Wahrheit gehe, die in Gott selbst ist, lege ich eher ab, was alles so im Laufe der Zeit dazugetan wurde.

Dabei habe ich erfahren, dass die Wahrheit nur da zu finden ist, wo man in ihr lebt. Genau dort wird man von Gott berührt. Und dann kann man sogar manchmal den Eindruck bekommen, dass es schwer ist, die Wahrheit in Worte zu fassen. Dass Worte die Wahrheit oft eher einengen oder gar verzerren.

Und wenn man dann auf dem Weg Menschen anderer Religionen trifft, welche auch auf der Suche nach der Wahrheit sind, dann kann man tatsächlich auch dort Merkmale der eigenen Religion erkennen, ohne irgendetwas zu vermischen. Das geschieht deshalb, weil Gott gesagt hat (so wird es auch in der Bibel gesagt) dass da wo ein Mensch IHN sucht man ihn finden wird. Man wird quasi von Gott berührt auf seinem eigenen Weg und kann die Berührung auch bei den anderen Menschen erkennen, welche Gott begegnet sind. Nicht, weil man einen anderen Weg beschritten hat, sondern weil man Gott gesucht hat und auf dem Weg anderen Suchenden begegnet.

So verstehe ich auch den Satz, dass Christus und Buddha sich umarmen können. Man muss nicht unbedingt Buddhismus mit dem eigenen Glauben vermischen. Aber vielleicht den Ballast ablegen, der verhindert, dass man andere Menschen erkennen kann, die ebenfalls auf dem Weg sind - zu Gott hin. Die Einigkeit, von der auch Jesus gesprochen hat, liegt nicht darin, dass man die Gedanken und das Verständnis des Anderen übernimmt oder vermischt, sondern gerade in der Umarmung, anstatt im Krieg gegeneinander, weil man das eigene Wahrheitsverständnis gefährdet sieht.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Columba » So 14. Jul 2013, 22:09

erbreich hat geschrieben:Dass fundamentalistische Buddhisten (vor allem aus dem Umfeld des Theravada-Buddhismus) einem Thich Nhat Hanh (und anderen, die ähnliche Wege gehen) das echte Buddhistsein absprechen -


    Was mache ich, wenn sexuelle Vorstellungen oder Wünsche meine Meditation stören? Der eine Mönch empfiehlt kalte Duschen.

http://www.relinfo.ch/thich/ashram.html

Ich etwas Kritik ist da schon angebracht - und etwas Selbstkritik auch von Thich Nhat Hanhs Camps und ihren Nachfolgern

...aber sicher Jesus Christus würde auch Thich Nhat Hanh umarmen und auch umgekehrt. Aber das heisst noch lange nicht, dass die Lehren gleich oder ähnlich sind. Ich weiss nicht, ob Du Brantschen und Thich Nhat Hanh kennst (ich beginne zu zweifeln). Brantschen geht nicht den buddhistischen Weg sondern eindeutig den christlichen - Thich Nhat Hanh geht den buddhistischen und nicht den christlichen. Beide bleiben bei ihren Wurzeln, eine Vermischung wäre für beide Seiten nur ein Wohlfühlbuddhismus, bzw. Wohlfühlchristentum. Thich Nhat Hanh schätze ich (nicht sein Plum Villlage) - er hat seine Tiefe, wenn er ganz als Buddhist sichtbar bleibt. Brantschen hat auch nur als Christ seine Tiefe. Auch wenn Gedanken bei beiden Männern von der anderen Religion einfliessen, sind diese Gedanken Jeus bei Thich Nhat Hanh buddhistisch gedacht und bei Brantschen die buddh. Gedanken christlich.

Eine ums Verworgene gesuchter Einklang ist m.E. übergriffig und eine Vergewaltigung - und schadet beiden Seiten


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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Mo 15. Jul 2013, 09:47

Columba hat geschrieben:Eine ums Verworgene gesuchter Einklang ist m.E. übergriffig und eine Vergewaltigung - und schadet beiden Seiten

Der Einklang besteht in der Umarmung, nicht in der Theorie (Philosophie oder Theologie). Die Umarmung ist Ausdruck der Liebe, welche der Kern beider Wege ist. Liebe ist weder ein "Ums-verworgen" noch eine Vergewaltigung. Sie ist freier Ausdruck eines offenen, befriedeten und befreiten Herzens. Liebe schadet keiner Seite.

Es ist richtig: Thich Nhat Hanh (den ich nicht persönlich kenne - mein persönlicher buddhistischer Lehrer war vor allem der verstorbene Dr. Rewata Dhamma, einer der frühen Mentoren von Aung San Suu Kyi in Burma und Indien) ist Buddhist. Ebenso ist Niklaus Brantschen Christ (was ihm allerdings von nicht wenigen freikirchlichen Christen abgesprochen wird). Auch ihn kenne ich nicht persönlich. Mein hauptsächlicher christlicher Mentor und älterer Freund ist heute 75 Jahre alt und hat sein ganzes Leben zuerst als Diakon in der Landeskirche und schliesslich fast dreissig Jahre als Prediger und Leiter einer Freikirche verbracht.

Dr. Rewata Dhamma hätte mir nie mein Buddhistsein abgesprochen, nur weil ich auch christliche Erfahrungen mache. Desgleichen würde mein Freund und Mentor nie sagen, ich sei kein Christ, nur weil ich ebenso buddhistisch denken und erleben kann.

Vielmehr würde ich mir selber gegenüber eine Vergewaltigung begehen, wenn ich eine der beiden Seiten spiritueller Erfahrung leugnen und verdrängen würde.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Columba » Mo 15. Jul 2013, 10:15

...zudem:

nicht uni, nicht weiss-schwarz, sondern Vielschichtigkeit bringt Leben. Deshalb auch nicht Vater und Sohn im Christentum sondern Dreieinigkeit! Einheitsmuß im Kosmus ist absoluter Tod (Entropiegesetz!).

Ich kann viel spüren von Thich Nhat Hanh, doch frage ihn mal nach seinem christlichen Bekenntnis (z.B. Apostolicum), oder nur nach den christologischen Dogmen und Dir bleibt nur noch die Ethik als das Gemeinsame zw. Buddhismus und Christentum (z.B Frieden, den aber beide Religion nicht durchhalten können).

Frage mal Brantschen (als Zenlehrer), wie er Taufe Eucharistie versteht, da wirst Du sehen, dass das Wesentlichste unvereinbar ist. Der erste, der Zen für Christen bekannt gemacht hat, ist ja Hugo Makibi Enomiya-Lassalle SJ. Leider wird immer wieder vergessen, dass er auch die Unterschiede zum Zen herausgearbeitet hat. In seinem Buch Zen und christliche Mystik sagt Lassalle auch, dass im Christentum das Absolute personal gedacht wird. Gott persönlicher Natur. Ein Satori-Erleben kann Dir als Christ nicht das gleiche bringen wie z.B. Taufe. Selbst äusserlich (als Phänomen) werde der wesentlicher Unterschied sichtbar.

Es wäre schön, wenn beide Seiten mal die Literatur beider Seiten genau lesen. Sonst bleibt ein oberflächliches Gemeinschaftsgefühl zurück. Dieser unkritische Subjektivismus gepaart mit einer Wohlfühltoleranz entspricht nur dem heutigen Zeitgeist - und führt nicht weiter: Religionen stehen in Gefahr oder sind sogar schon der Gefahr erlegen, dass sie zum Marktplatz der Events und zum Wochenendtourismus werden. ...und Lama Ole Nydahls Bücher kommen auch im spirituellen Low-Level-und-Main-Steam-Verlag Knaur heraus.


Grüsse Columba
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Columba » Mo 15. Jul 2013, 10:24

erbreich hat geschrieben:
Columba hat geschrieben:Eine ums Verworgene gesuchter Einklang ist m.E. übergriffig und eine Vergewaltigung - und schadet beiden Seiten

Der Einklang besteht in der Umarmung, nicht in der Theorie (Philosophie oder Theologie). Die Umarmung ist Ausdruck der Liebe, welche der Kern beider Wege ist. Liebe ist weder ein "Ums-verworgen" noch eine Vergewaltigung.


Du siehst ja gerade, dass ohne Theorie und Philosophie nur eine oberflächliche Liebe als Wochenendgefühl herauskommt. Gehe mal in diese Kurse: Wie viel Friede-Freude-Eierkuchen-Liebe entsteht, die spätestens am Montagmorgen, wenn man zur Arbeit geht, verflogen ist. Liebe ist mehr als das süsse Jesuskindlein im Spielzeugwarenhaus vor Weihnachten: Liebe ist keine blosse Romantik und Süssheit. ...und Religionen sollten nicht einfach zum Warenhaus verkommen. ...und Punavadi (Poonah) nicht zum Ferienort für die reichen Westler. Die Inder dort können nur träumen vom Osho-Camp. Geld um Reinzukommen haben sie nicht: Kolonialismus pur


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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Columba » Mo 15. Jul 2013, 10:45

erbreich hat geschrieben:Dr. Rewata Dhamma hätte mir nie mein Buddhistsein abgesprochen, nur weil ich auch christliche Erfahrungen mache. Desgleichen würde mein Freund und Mentor nie sagen, ich sei kein Christ, nur weil ich ebenso buddhistisch denken und erleben kann.


Es geht doch nicht nur um Erfahrungen, das wäre doch nicht Christentum (übrigens auch nicht Buddhismus). Ich spreche auch nicht Brantschen das Christsein ab. Ich weiss, dass er ganz klarer Christ ist - habe ihn schon einige Male kennen gelernt (nicht nur in Kursen).

Liebe schadet keiner Seite, Du hast recht. Jesus würde auch Buddha umarmen und Buddha Jesus - das trotz des wesentlichen Unterschiedes.


Grüsse Columba



PS
Oft ist von buddhistischer Lehrerseite nur das Lehren im Vordergrund. Diskutieren, gegenseitig helfen, findet man weniger. Wenn wir aber schon bei Brantschen sind, der Jesuit ist: Punkt 1 bei den Exerzitien von Ignatius besagt, zwischen dem Exerzitienmeister und Exerzitant ist gegenseitiges Helfen und Fördern die Grundlage.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Mo 15. Jul 2013, 11:19

Columba hat geschrieben: Gehe mal in diese Kurse: Wie viel Friede-Freude-Eierkuchen-Liebe entsteht, die spätestens am Montagmorgen, wenn man zur Arbeit geht, verflogen ist. Liebe ist mehr als das süsse Jesuskindlein im Spielzeugwarenhaus vor Weihnachten: Liebe ist keine blosse Romantik und Süssheit. ...und Religionen sollten nicht einfach zum Warenhaus verkommen. ...und Punavadi (Poonah) nicht zum Ferienort für die reichen Westler. Die Inder dort können nur träumen vom Osho-Camp. Geld um Reinzukommen haben sie nicht: Kolonialismus pur

Ich spreche über mein persönliches Glaubensleben, nicht über solche Allgemeinplätze, wie du sie hier erwähnst.
Es wäre schön, wenn beide Seiten mal die Literatur beider Seiten genau lesen.

Du darfst davon ausgehen, dass ich ein Mensch bin, der das sehr intensiv tut.
In seinem Buch Zen und christliche Mystik sagt Lassalle auch, dass im Christentum das Absolute personal gedacht wird. Gott persönlicher Natur. Ein Satori-Erleben kann Dir als Christ nicht das gleiche bringen wie z.B. Taufe. Selbst äusserlich (als Phänomen) werde der wesentlicher Unterschied sichtbar.

Das ist richtig, es ist nicht das Gleiche, es ist aber ein analoges Geschehen in zwei unterschiedlichen Kontexten.

Was denkst du, geschieht nun also mit einem Menschen, dem sowohl der buddhistische Stromeintritt (ich benutze die Pali-Definitionen, weil mein Weg im Buddhismus der Theravada-Weg ist, nicht Zen) als auch die christliche Geistestaufe wiederfahren ist?

Wie könnte er das eine oder das andere leugnen oder als falsch aburteilen? Das ist nicht möglich.
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon erbreich » Mo 15. Jul 2013, 11:31

Columba hat geschrieben:Oft ist von buddhistischer Lehrerseite nur das Lehren im Vordergrund. Diskutieren, gegenseitig helfen, findet man weniger. Wenn wir aber schon bei Brantschen sind, der Jesuit ist: Punkt 1 bei den Exerzitien von Ignatius besagt, zwischen dem Exerzitienmeister und Exerzitant ist gegenseitiges Helfen und Fördern die Grundlage.

Im Theravada gilt die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler als kalyana mittata, als spirituelle Freundschaft. Beide wachsen und reifen in dieser Freundschaft.

Du hast aber recht: Das soziale Engagement wurde im westlichen Buddhismus anfänglich unterbewertet. Das hat sich jedoch geändert und wurde als Problem erkannt, so dass solche Sachen wie der engagierte Buddhismus entstanden sind (wo übrigens auch Thich Nhat Hanh mit dabei ist).
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Re: Wo Christus und Buddha sich umarmen

Beitragvon Haimax » Mo 15. Jul 2013, 12:04

Was seid ihr nun, Christen oder Buddhisten?

Das Endziel ist doch bei beiden ein anderes.
Alle Menschen sind gleich.
Rassen, Nationalität und Religion spielen keine Rolle, wichtig ist der gelebte Respekt, die Tolleranz, das Recht auf Glück und das Recht sich zu verwirklichen.
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