religion und sekte

Sondergruppen, Fanatismus

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religion und sekte

Beitragvon mad hatter » Mi 18. Dez 2002, 00:00

behauptung:
eine religion ist nur eine grosse sekte (mit mehr anhänger und ergo mehr einfluss).
wo ist dann der unterschied?

MH
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Re: religion und sekte

Beitragvon boon » Mi 18. Dez 2002, 00:26

hmmm
*überleg*
hat was

zum glück bin ich nicht religiös....
imho ist religiös = befolgen von ritualen/traditionen/schemen/dogmen etc.

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Re: religion und sekte

Beitragvon Joggeli » Mi 18. Dez 2002, 08:20

Religiös ist doch demnach eher äusserlich und oberflächlich, traditionell, ohne Ueberzeugung ?

J.
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Re: religion und sekte

Beitragvon Shadow » Mi 18. Dez 2002, 09:44

Nun Joggeli, das ist leider bei vielen Menschen auch so. Ich muss sagen, manchmal habe ich auch vor extremen Christen mehr (auch wenn es immernoch verschwinden wenig ist) Respekt, als vor Wischi-Waschi Christen, die Christen sind, weil sie zu faul zum austreten (aus der Kirche, Mensch! ;)) sind.

Mad Hatter: Diese Definition ist in diesem Forum schon lang und breit diskutiert worden. Es ist übrigens auch sehr wichtig, wen du fragst. Hier tummeln sich viele Freikirchler. Freikirchen werden vom gros der Bevölkerung als Sekten angesehen (nein "ich", ich werde dir jetzt keine Namen nennen). Aber eine Sekte und eine Kirche... das ist, wie du sagst, rein vom Organisatorischen her durchaus das gleiche. Der Unterschied besteht in der Akzeptanz der Menschen, welche eng mit der Grösse zutun hat. Darum hat das Wort Sekte auch eine negative Bedeutung und Kirche nicht.

Der Mensch ist nunmal so... was die Mehrheit als ok ansieht wird Standard. Siehe katholische Kirche. Wenn nur genug Menschen Mord als was Tolles ansähen, würde es bei uns auch nicht mehr verfolgt. Das ist Demokratie.
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Re: religion und sekte

Beitragvon Nataraja » Mi 18. Dez 2002, 10:22

Hallo Miteinander,

die Trennung von Sekte und Religion oder Kirche gibt es nur in den Kreisen, wo es eine Religion gibt, die meint, sie seien die einzig richtigen und hätten die ultimative Wahrheit. Alles andere - mag es noch so gut und wahr sein - wird dann als falsch, als Sekte bezeichnet.
Die Definitionen, die Sekte vom Wort seccare oder ähnlichem herleiten haben dann genau diesen Charakter: Da wurde was abgetrennt, oder nur ein Teil der Wahrheit anerkannt.
Andere Traditionen, natürlich in anderen Kulturkreisen, kennen so etwas nicht, dort gibt es nicht eine Tradition, die die Richtige wäre, oder die zahlenmäßig die führende ist, und deswegen wahr wäre, sondern dort gibt es verschiedene Ideen und Auslegungen zur Wahrheit. Und alle Traditionen achten zumindest die andere Meinung.
Das ganze Problem mit Sekte usw. ist meines Erachtens auf die Ideen der Staatskirche, der Volksreligion usw. zurückzuführen, denn die Religion, die vom Staate anerkannt und geschützt wird und zwar bevorzugt gechützt und anerkannt wird, kann natürlich nichts anderes neben sich stehen lassen. Insofern ist das ganze wirklich ein europäisches Problem. Eine Lebendige Religion hingegen ist aufgeteilt in verschiedene Denkrichtungen, Traditionen, Sekten eben. Dieses Wort, das in unseren Breiten immer noch ein Kampfwort gegen die Anderen ist, kann auch hergeleitet werden vom Wort sequi, was jemanden Folgen heißt. Und in der Tat, die verschiedenen Traditionen der Buddhisten oder Hindus oder Nativs usw. folgen auch etwas oder jemandem, einer Person einer Lehre wie auch immer. In diesem Licht erhält das Wort Sekte nicht mehr den üblichen bitteren Beigeschmack, sondern sagt lediglich aus, daß es hier verschiedene Leute gibt, die verschiedene Ideen zur Wahrheit haben, verschiedene Verwirklichungen, verschiedene Stile.

Grüße

Nataraja
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(Umberto Eco: Der Name der Rose; S. 624)
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Re: religion und sekte

Beitragvon mad hatter » Mi 18. Dez 2002, 15:00

intressante beiträge. dankeschön...
sehe es auch, wie shadow und nataraja.

MH
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Re: religion und sekte

Beitragvon bastlwastl » Mi 18. Dez 2002, 16:40

@ nataraja:das wort, auf das du dich beziehst ist das lateinische wort für ab- bzw. heraustrennen: secare
es ist aber meines wissens nach nicht im sinne von abtrennen, also abspalten von der allgemeinen lehrmeinung der vorherrschenden kirche(egal welche)in die bezeichnung sekte eingeflossen und somit eine diskriminierung, sondern meint vielmehr heraustrennen bzw. herausnehmen und zwar in dem sinn, dass sich die gruppierungen, die von den kirchen(nicht vom volksmund!)als sekten bezeichnet werden nur einen teil der lehren einer kirche aneignen, der zu ihrer ideologie passt, der rest, der eine andere deutung z.b. der bibel fordern würde wird von ihnen einfach ignoriert. sekten bauen also auf teilaspekten eine "lehre" auf, die in ihrer gesamtheit zu wenige quellen berücksichtigt und oft nur auf den gewinn von geld für die sekte ausgerichtet sind(z.B.: scientologie oder die zeugen jehovas). diese lehre ist ausserdem nicht nur durch missachtung anderer quellen, sonder auch durch die missachtung der rechte des einzelnen mitglieds gekennzeichnet(z.B.: finanzielle ausbeutung der unteren, durch horrende kursgebühren)die sich bei keiner der grossen religionen(egal welche), die eben am einzelnen orientiert sind finden.

sekte und religion ist also keinesfalls gleichbedeutend, auch wenn viele frustrierte mitglieder der grossen religionen es gerne so darstellen.

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Re: religion und sekte

Beitragvon Braendli » Mi 18. Dez 2002, 17:04

Hoi bastlwastl

So sehe ich dies auch.

Es sind aber nicht alle Freikirchen und Abspaltungen Sekten. Hast Du auch nicht geschrieben, aber es kann evtl. so verstanden werden. Deine Erklärungen sind korrekt, wer nur Teile aus einer Lehre nimmt, so dass es ins Konzept der jeweiligen Gemeinde/Kirche passt, ist eine falsche Lehre und somit eine Sekte.

Gruss Brändli
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Re: religion und sekte

Beitragvon boon » Mi 18. Dez 2002, 17:25

also, eigentlich sind alle freikirchen sekten, wenn man das so sehen will.
da in der schweiz z.b. die reformierte und die kath. kirche -wie gesagt- zum staat gehören.
folglich sind alle anderen gruppierungen ´sekten´.

drehen wir den spiess um, in der bibel wird sekte so definiert, das leute, die was anderes predigen, als in der bibel steht, sektiererisch sind.
somit sind praktisch alle kirchen (staat´s wie freikirchen) sekten. da jede sachen hinzugefügt bzw. weglässt, zudem was in der bibel steht.
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Re: religion und sekte

Beitragvon bastlwastl » Mi 18. Dez 2002, 17:51

Original von Braendli
Es sind aber nicht alle Freikirchen und Abspaltungen Sekten. Hast Du auch nicht geschrieben, aber es kann evtl. so verstanden werden.


richtig, das sollte nochmals ausdrücklich betont werden und war von mir keinesfalls so gemeint.

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Re: religion und sekte

Beitragvon bastlwastl » Mi 18. Dez 2002, 18:04

Original von boon
also, eigentlich sind alle freikirchen sekten, wenn man das so sehen will.
da in der schweiz z.b. die reformierte und die kath. kirche -wie gesagt- zum staat gehören.
folglich sind alle anderen gruppierungen ´sekten´.


eben nicht(siehe auch antwort oben), denn eine unterschiedliche auslegung der selben bzw. ähnlichen Quellen heisst, wie ich schon sagte nicht sekte, sondern andere religion(nicht abtrennen, sondern herausnehmen ist die wortbedeutung von secare) sekte beginnt erst bei der selektion von bestimmten themen, nicht schon bei der wahl der schwerpunkte in der auslegung

Original von boon
drehen wir den spiess um, in der bibel wird sekte so definiert, das leute, die was anderes predigen, als in der bibel steht, sektiererisch sind.
somit sind praktisch alle kirchen (staat´s wie freikirchen) sekten. da jede sachen hinzugefügt bzw. weglässt, zudem was in der bibel steht.


nochmals: nicht die wahl der schwerpunkte, sondern die wahl der gesamten lehre zählt.
das "was anderes predigen" bezieht sich auf völlig im widerspruch zur bibel stehende gedanken, die v.a. nicht dem gebot der nächstenliebe entsprechen und nicht auf den unterschiedlichen wortlaut bei ein und dem selben gedanken(vgl. lutherische und einheitsübersetzung der bibel)

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Re: religion und sekte

Beitragvon boon » Mi 18. Dez 2002, 18:07

chumme jetzt nümme ganz nah...
isch aber au gliich
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Re: religion und sekte

Beitragvon DrGanja » Mi 18. Dez 2002, 20:16

Aber was ist, wenn einem genau die gleichen Kernpunkte einer Religion einfach auf eine andere Art und Weise näher gebracht werden? Ist das dann eine Sekte?

Ist doch sowieso egal. Warum denn nicht zu einer Sekte gehören? Wenn sich jemand wohl fühlt in einer Sekte oder dumm genug ist, sich Geld aus den Taschen zu ziehen, soll er doch. Natürlich gibt es auch hier immer wieder die armen Teufel, die von der Sekte verarscht werden und mit deren Glauben gespielt wird. Päch fürd schwiz.

*Sekte der Nächstenliebe durch Kiffen gründet*


(Dass dies für die Christen (<- natürlich wie immer nicht alle) wiederum nicht egal ist, da sie nach wie vor den absoluten Wahrheitsanspruch erheben ist mir auch klar.)
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Re: religion und sekte

Beitragvon Braendli » Do 19. Dez 2002, 12:25

Hoi boon

Original von boon
drehen wir den spiess um, in der bibel wird sekte so definiert, das leute, die was anderes predigen, als in der bibel steht, sektiererisch sind.


Von mir aus! In welcher Freikirche bist denn Du gewesen, wo genau Deine Behauptung zum tragen kam? Was wurde denn dort gepredigt?

Die Freikirchen die ich kenne, predigen alle das gleiche aus der Bibel (Chrischona, Freie Christengemeinde, ICF, Heilsarme, u.a.). Klar werden vielleicht einzelne Aussagen anders gepredigt, der Sinn bleibt aber der gleiche.

Deine Erfahrungen würden mich interessieren!

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Re: religion und sekte

Beitragvon bastlwastl » Do 19. Dez 2002, 16:52

Original von DrGanja
Aber was ist, wenn einem genau die gleichen Kernpunkte einer Religion einfach auf eine andere Art und Weise näher gebracht werden? Ist das dann eine Sekte?


nein, da das ja an der botschaft nichts ändert bzw. nichts heraus nimmt, sondern nur anders formuliert

Original von DrGanja
Ist doch sowieso egal. Warum denn nicht zu einer Sekte gehören? Wenn sich jemand wohl fühlt in einer Sekte oder dumm genug ist, sich Geld aus den Taschen zu ziehen, soll er doch. Natürlich gibt es auch hier immer wieder die armen Teufel, die von der Sekte verarscht werden und mit deren Glauben gespielt wird. Päch fürd schwiz.


wieso nicht, das schloss die diskussion hier ja nicht aus, es ging nur um die begriffsklärung
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Re: religion und sekte

Beitragvon Nataraja » Do 19. Dez 2002, 16:53

Hallo Zusammen,

die Idee, daß Sekte etwas ist,, die nur einen Teil der Lehre beachten ist originell, aber halt typisch Freikirchlich. Sie trifft vor allem nicht. Sind dann die Scientologen eine Sekte? Sie haben ja noch nicht mal die Bibel als Grundlage, und nehmen von da auch nicht nur einen Teil raus. Sekte oder nicht?
Ich weiß nicht mehr, wer es hier geschrieben hat, aber irgendjemand hat die Zeugen Jehovas als Sekte bezeichnet, weil sie einen Teil der Bibel unbeachtet lassen.... meine Frage ist nur welchen Teil der Bibel? Ich kenne die Zeugen Jehovas sehr gut, und ich kenne keine andere Gruppe, die so Bibelfest und Bibeltreu ist (natürlich in ihrer Interpretation).
Warum muß man diesen Gedanken immer haben, daß es auf der eine Seite die Richtigen gibt, die Kirchen oder Gemeinden, und auf der anderen Seite die Falschen, die Sekten und Kulte?
Ich würde sagen, daß es Sekten eigentlich gar nicht gibt. Denn Sekte bedeutet ja, daß eine große Religion sagt: „Wir sind die Richtigen, und die Sekte da, das sind die Falschen, die Abweichler.“ Der Begriff Sekte ist eigentlich eine Art Kampfbegriff, den man gegen die richtet, die nicht zum Mainstream gehören. Ein Sprichwort sagt: Jede Wahrheit hat ihre Sekte; und jede Sekte hat ihre Wahrheit.
Ich denke gerade hier sieht man, was typisch für die drei semitischen Traditionen ist: Sie besitzen einen sehr großen Anteil an strukrtureller und daraus folgend an direkter Gewalt. Nur deshalb gibt es den Begriff der Sekte mit seinen negativen Bedeutungen bei den drei semitischen Traditionen und vor allem beim Christentum.
Eine Bedutung von Sekte, die meines Erachtens universaler ist, möchte ich noch vorstellen: Eine Sekte ist wie eine Flasche, auf der Saft draufsteht, in wirklichkeit aber Benzin drinn ist. Es handelt sich hier um Traditionen, die Wahrheit, Liebe, Gott, Freiheit usw. proklamieren, in Wirklichkeit aber nur Angst und Leid säen. Gruppen, die also das Äußerliche, den Kultus usw. für höher erachten, als das Tatsächliche, als wirkliche Erkenntnis. Traditionen, die keinen Mut mehr haben, über Brücken aus Glauben und Hoffnung zu gehen, um auf der anderen Seite Ideen und vielleicht Antworten zu finden - selbst zu finden. Traditionen die anstelle dessen schon fertige schablonenhafte Standardantworten haben, ungeachtet der wirklichen Realität. Eine Traditionen, die keine Widersprüche und keine Diskurse mehr kennt, ist meinen Augen eine Sekte, da starr, instututionalisiert und tot.
Ich hoffe, es wird klar, in welche Richtung ich das Phänomen Sekte zu finden meine.

Gruß

Nataraja
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Re: religion und sekte

Beitragvon bastlwastl » Do 19. Dez 2002, 16:56

Original von boon
chumme jetzt nümme ganz nah...
isch aber au gliich


das thema ist auch nicht ganz einfach.
zusammenfassend kann man sagen: die begriffe sind nicht gleichbedeutend.religion ist die lehre eines glaubens und sekte ist das aufbauen einer ideologie auf unvollständigen teilaspekten einer religion, die zu einem falschen bild zusammengesetzt werden.(grob vereinfacht)

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Re: religion und sekte

Beitragvon DrGanja » Do 19. Dez 2002, 17:44

wieso nicht, das schloss die diskussion hier ja nicht aus, es ging nur um die begriffsklärung


Ja schon. Aber der Begriff verliert seine Bedeutung wenn es egal ist, ob Religion oder Sekte.

Die Botschaft der Nächstenliebe kann ja auch weitergegeben werden, ohne dass man ewige verdammnis erwähnt.

Das wäre dann eine Sekte abgespalten vom Christentum.



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Re: religion und sekte

Beitragvon boon » Fr 20. Dez 2002, 01:20

braendli:
ich war im ICF 4 jahre lang... hab dort beim mixerteam (1jahr) un beim licht (2 jahre) mitgearbeitet.
seit neuem bin ich in der chrischona

es giebt einfach keine kirche, die die ganze wahrheit hatt.
jede gemeinde interpretiert die bibel.
Meine ganz persönliche meinung ist: eine glaubensgemeinschaft, die etwas anderes als das lehrt, das in der bibel steht ist eine irrlehre.
ob man das jetzt als sekte bezeichnen kann, sei dahingestellt

Deine Erfahrungen würden mich interessieren!

also im ICF sah ich ja ziemlich gut hinter die kulissen.
und ich muss leider sagen, das auf der bühne eine riesen show abgezogen wird.
alles wird klar geplant und durchdacht etc.
das ganze ist so ziemlich charismatisch und es gab ´propheten´ die einfach stuss redeten.
es wurde z.b. prophezeit, das ´wir´ das sihlpostareal bekommen im 2001 und nicht´s von dem traf zu.
ich will jetzt nicht das ganze in den dreck ziehen. aber für mich hat dort vieles nicht gestimmt.
ich hatte allerdings eine sehr gute zeit dort.

Nataraja:
natürlich kann man die scientology nicht in dem sinne als sekte bezeichnen, da sie etwas selbständiges sind.
sie haben sich ja nicht von einer grösseren religiösen gruppe abgespalten
btw. ich kenn mich da nicht aus, bei der entstehung/lehre der scientology

eine sekte ist doch die abspaltung einer grösseren religösen gemeinschaft



zu den zeugen jehovas.
mein wissen dazu hab ich nur durch berichte.
aber ich sehe einige ungereimtheiten:
->bluttransfusionen sind untersagt
->die behauptung das 1914 "Millionen jetzt lebender Menschen werden nicht sterben"
->der name Jehova statt jahwe... aber dazu währ wohl ein neuer threat angebracht


Ich würde sagen, daß es Sekten eigentlich gar nicht gibt.

doch giebt es schon; die bibel spricht ja auch davon.
z.b. in Apostelgeschichte 24,24
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Re: religion und sekte

Beitragvon bastlwastl » Fr 20. Dez 2002, 12:08

Original von Nataraja
Hallo Zusammen,
die Idee, daß Sekte etwas ist,, die nur einen Teil der Lehre beachten ist originell, aber halt typisch Freikirchlich. Sie trifft vor allem nicht. Sind dann die Scientologen eine Sekte? Sie haben ja noch nicht mal die Bibel als Grundlage, und nehmen von da auch nicht nur einen Teil raus. Sekte oder nicht?


im fall von scientologie greift dann der zweite punkt, den ich weiter oben bereits angerissen habe: zwar lehren der frohen botschaft, aber zugleich missachtung des gebots der naechtenliebe durch ausbeutung(v.a.finanziell)der mitglieder

Original von Nataraja

Ich weiß nicht mehr, wer es hier geschrieben hat, aber irgendjemand hat die Zeugen Jehovas als Sekte bezeichnet, weil sie einen Teil der Bibel unbeachtet lassen.... meine Frage ist nur welchen Teil der Bibel? Ich kenne die Zeugen Jehovas sehr gut, und ich kenne keine andere Gruppe, die so Bibelfest und Bibeltreu ist (natürlich in ihrer Interpretation).
Warum muß man diesen Gedanken immer haben, daß es auf der eine Seite die Richtigen gibt, die Kirchen oder Gemeinden, und auf der anderen Seite die Falschen, die Sekten und Kulte?


mein fehler, die zeugen jehovas als beispiel zu verwenden, diese gehören nur aus meiner ganz persönlichen sicht zu den sekten, da sie ihre lehre noch energischer vertreten(die lästigen haustürbesuche) als es die kath. kirche tut. die zeugen jehovas fallen in einen grenzbereich, in dem die grenzen je nach persönlicher einschätzung verwischt sind.das einzige was ihnen vor zu werfen ist ist ihre aggressive missionierung.
der gedanke jedoch kommt bei jedem automatisch, der einer religion angehört, weil er sich ja dann für eine, für ihn richtige weltsicht entschieden hat.

Original von Nataraja

Ich würde sagen, daß es Sekten eigentlich gar nicht gibt. Denn Sekte bedeutet ja, daß eine große Religion sagt: „Wir sind die Richtigen, und die Sekte da, das sind die Falschen, die Abweichler.“ Der Begriff Sekte ist eigentlich eine Art Kampfbegriff, den man gegen die richtet, die nicht zum Mainstream gehören. Ein Sprichwort sagt: Jede Wahrheit hat ihre Sekte; und jede Sekte hat ihre Wahrheit.
Ich denke gerade hier sieht man, was typisch für die drei semitischen Traditionen ist: Sie besitzen einen sehr großen Anteil an strukrtureller und daraus folgend an direkter Gewalt. Nur deshalb gibt es den Begriff der Sekte mit seinen negativen Bedeutungen bei den drei semitischen Traditionen und vor allem beim Christentum.


würde ich nicht so behaupten, der springende punkt ist die missachtung von allgemeinen grundwerten, die religionsübergreifen sind und die für alle menschen gelten(z.B. keine ausbeutung!)und die von einigen sekten missachtet werden. hier ist der begriff sekte übrigens durchaus negativ zu verstehen.

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Eine Bedutung von Sekte, die meines Erachtens universaler ist, möchte ich noch vorstellen: Eine Sekte ist wie eine Flasche, auf der Saft draufsteht, in wirklichkeit aber Benzin drinn ist. Es handelt sich hier um Traditionen, die Wahrheit, Liebe, Gott, Freiheit usw. proklamieren, in Wirklichkeit aber nur Angst und Leid säen. Gruppen, die also das Äußerliche, den Kultus usw. für höher erachten, als das Tatsächliche, als wirkliche Erkenntnis. Traditionen, die keinen Mut mehr haben, über Brücken aus Glauben und Hoffnung zu gehen, um auf der anderen Seite Ideen und vielleicht Antworten zu finden - selbst zu finden. Traditionen die anstelle dessen schon fertige schablonenhafte Standardantworten haben, ungeachtet der wirklichen Realität. Eine Traditionen, die keine Widersprüche und keine Diskurse mehr kennt, ist meinen Augen eine Sekte, da starr, instututionalisiert und tot.
Ich hoffe, es wird klar, in welche Richtung ich das Phänomen Sekte zu finden meine.

wird es und die definition kann meines erachtens durchaus richtig sein, sie geht inhaltlich in die richtung der "falschen" auslegung , bzw. pervertierung der traditionen einer anderen lehre

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Re: religion und sekte

Beitragvon bastlwastl » Fr 20. Dez 2002, 12:21

Original von DrGanja
Ja schon. Aber der Begriff verliert seine Bedeutung wenn es egal ist, ob Religion oder Sekte.


die entscheidun wohin ich mich wende ist egal, da kann man niemandem dreinreden. wenn ich mich aber dann entschieden habe, besteht die trennung in religion und sekte.ich kann niemandem befehlen sich für eine in meinen augen als religion geltende gruppierung zu entscheiden, aber für mich gibt es die unterscheidung in religion und sekte, weil ich selbst mich vorher für eine gruppierung entschieden habe.

klingt etwas komisch, da ich nicht genau weiss, wie ich es ausdrücken soll, aber ich hoffe du verstehst, was ich meine

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