Glaubensfanatismus in Beziehung

Sondergruppen, Fanatismus

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Glaubensfanatismus in Beziehung

Beitragvon *velocy* » Sa 12. Feb 2005, 22:56

Hi,

Ich habe einige Posts jetzt durchgelesen und da ich schon längere Zeit "Aufklärung" suche, will ich hier meine nicht ganz "schöne" Story über die Erfahrung mit Siebenten-Tages-Adventisten schreiben.

Vor ungefähr einem Jahr hab ich meine erste Freundin kennengelernt. Sie hatte zuvor auch noch nie eine Freund, was das ganze natürlich schwieriger machte. Jedenfalls war es wunderschön, und was wir gemeinsam hatten...da fang ich gar nicht erst an, weil das ziemlich viel war. Jedenfalls hat sie mir auch ziemlich früh von ihrer Glaubensrichtung erzählt. Dass die Adventisten 27 Richtlinien haben usw. Sie war Vegetarierin, und steht jeden Samstag um 6 Uhr auf um mit ihren Eltern nach Regensburg in ihre Gemeinde zu fahren. Sie sagte mir aber, dass das nicht extrem sei, so als ob es nur so am Rande erwähnt werden solle. Sie hat sich ausserdem vor Gott geschworen, vor der Ehe keinen Sex zu haben, was ich ebenfalls akzeptierte. Alles in allem war es die schönste Zeit bisher in meinem Leben mit ihr. Sie hat sich immer Gothic-Like angezogen, läuft vorwiegend mit schwarzer Kleidung rum und hält sich auch für Gothic.

Es wurde im allgemeinen nicht oft über den Glauben geredet, sie wollte das nicht so in den Mittelpunkt stellen, und ich habe den Glauben so akzeptiert wie er ist. Ich persönlich halte nicht viel von der Kirche, ich glaube also nicht fest an jemanden wie Gott und auch wenn ich katholisch bin, halte ich mich eher für einen Atheist. Sie hatte das ebenfalls akzeptiert, dass ich eher sozusagen an die Natur glaube...vielleicht kann man´s mit den Indianern vergleichen. Jedenfalls war alles super...bis ich einmal 2 Wochen mit meinen Eltern im Urlaub war. Wir waren so froh, als ich wieder daheim war, und haben uns sofort wieder gesehen. An dem Abend waren wir in ihrem Zimmer. Was Zärtlichkeiten angeht, musste ich stets fragen, was ich "darf" oder was erlaubt war, Sex war von Anfang an sowieso tabu. Jedenfalls ging es an dem Abend bis zum Petting über.
Ab diesem Tag hat sie angefangen sich immer mehr zu distanzieren. Sie hat mir gesagt, dass ihr eine schwere Depri Zeit bevorstehe und sie schlimme Träume habe. Jedenfalls war sie sehr entfremdet und statt mit mir über die Sache zu reden, hat sie sich mehr und mehr distanziert, bis sie sich gar nicht mehr gemeldet hatte. Schließlich wollte ich mit ihr wieder was ausmachen, um mit ihr auch darüber zu reden was denn los sei. Das war der letzte Tag an dem ich bei ihr war. Tage später hat sie sich wieder nicht gemeldet. 3 Wochen lang habe ich ihr Zeit gegeben und sie "in Ruhe" gelassen, um sie nicht mehr unter Druck zu setzen, nachdem ich lange genug ihr angeboten hatte, darüber zu reden. Als ich dann nach 3 Wochen anrief, und sie wieder sehen wollte, habe ich sie gefragt ob sie mich überhaupt noch sehen will. Sie sagte nein. Ich hab sie gefragt, was denn los sei, aber sie hat mir nie geantwortet, und hat gesagt, dass sie es nicht weis. Ich habe nach diesem Telefonat die Welt vor mir zusammenbrechen gesehen, es war jedenfalls alles andere, was ich jemals erwartet hätte. Es hätte nie eine andere Möglichkeit gegeben, dass wir uns trennten...ausser ohne Grund ;und genau so ist es passiert. Sie hat mir einmal erzählt, dass sie nie richtig aufgeklärt wurde. Ihre Eltern machten oft einen recht "duldenden" Eindruck, jedenfalls nicht sehr zufrieden. Ihre letzte Mail handelte dann über Gott, dass er nur alles gut für sie will und wenn jemand ihren Glauben nicht akzeptierte, sei er bei ihr falsch ! Jedenfalls waren in der Mail völlig unbegründete Dinge gestanden, die nicht einmal annähernd zu unserer Beziehung gepasst haben. Sie war völlig anders. Nach der Mail dachte ich mir nur noch..."aha ?"
Ab diesem Tag hat sie sich nie mehr gemeldet, kein Telefonat, keine Mail, nichts !

Ich habe sie hin und wieder mal getroffen, einmal im Chat, einmal persönlich. Sie tat so, als ob ich nicht da wäre oder als ob sie mich zum ersten mal sehen würde. Nicht die Freundin, die ich kennengelernt habe ! Ich habe Freunde von ihr kennengelernt, die auch manchmal überrascht von ihrem Verhalten waren, dass ihr der Glaube so wichtig ist. Sie sagte zu mir anfangs, dass ich sie nie dazu zwingen solle, sich zwischen mir und ihrem Glauben zu entscheiden, denn bei beidem würde ein Teil von ihr sterben. Ich frage mich, wenn ihr der Glaube wichtiger ist als ich, hat sie sich doch selbst schon entschieden (?). Jedenfalls habe ich einen Selbstmordversuch wegen dem Ganzen hinter mir (worauf ich keines Falls stolz bin !), wäre beinahe in die Psychiatrie geschickt worden, weil die Depressionen und Krämpfe nicht nachlassen wollten. 3 Monate lang hat es gedauert bis ich von ihr wenigstens zur Hälfte weggekommen bin. Alles was ich aber damit sagen will ist, dass sie durch den Glauben nicht gerade ein guter Mensch ist. Der Glaube sitzt in ihrer Familie und in ihr selbst sehr tief drin. Sie wurde jdenfalls zum Schluss fanatisch und total anders. Ich will keineswegs den Glauben hier runter machen oder schlecht heißen, da ich der Meinung bin, dass jeder daran glauben soll, was er meint, allerdings wollte ich meine Erfahrung damit hier preißgeben, da ich nicht verstehen kann, wie Menschen sich einem Glauben so dermaßen hingeben können, dass sie alles andere um sich herum vergessen. Sie hat mir auch einmal erzählt, dass sich ihre Eltern scheiden wollten, den Grund habe ich nie erfahren...ihre Mutter ist allerdings Adventistin, ihr Vater nicht und der ist auch nie bei der Gemeinde dabei. Alles in allem sehr merkwürdig und sagen wir mit "geheimnisvoll" lässt sich das alles sehr gut beschreiben. Einerseits tut sie mir leid, da sie eigentlich mehr oder weniger keine Wahl zwischen dem Glauben oder mir hat, dem Glauben vertreten ihre Eltern und gegen den wird sie sich nicht richten. Also musste sie sich für den Glauben und gegen mich entscheiden. Andererseits wollte ich das nicht wahr haben und habe sie immer noch heftigst geliebt/und gehasst. Bekanntlich hasst man manchmal die am meisten die man am meisten liebt, weil sie die einzigen sind, die einen wirklich verletzen können und in dem Falle war es so. Es ist traurig, was ein Glaube anstellen kann und an dieser Stelle muss ich sagen, dass ich es absolut nicht verstehen kann, wie ihr der Glaube wichtiger sein kann als alles andere. Meiner Meinung nach kann ein Glaube Menschen vergiften und sehr gefährlich werden...nach dieser Erfahrung...wegen Glauben werden Kriege geführt, nur weil ein Mensch dem anderen seinen Glauben aufzwingen will...es ist schlicht und einfach traurig, was sich die Menschheit da leistet !
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Re: Glaubensfanatismus in Beziehung

Beitragvon Mariamante » So 8. Mai 2005, 12:57

Bei einem Glauben an Gott, der uns nicht ändert ist etwas faul.

Solange der Glaube ein Anhängsel ist, den man wie einen Mantel aus oder anzieht - solange haben wir wohl keine wikliche Beziehung zu Gott.

Die selbstgemachten Götter ändern uns nicht. Wer sich auf eine wirkliche Beziehugn zu Gott einläßt, wird 1.selbst verändert und 2.verändert dies auch die Welt.
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Re: Glaubensfanatismus in Beziehung

Beitragvon *velocy* » So 8. Mai 2005, 13:06

Ich weis jetzt ehrlich gesagt nicht was das mit diesem Thema zu tun hat bzw. bedeuten soll. Bitte um Aufklärung...
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Re: Glaubensfanatismus in Beziehung

Beitragvon Mariamante » So 8. Mai 2005, 15:08

Gothic und Christentum sind m.E.etwas inkompatibel.

Was den Fanatismus betrifft:

Wo wirklicher Fanatismus vorhanden ist (nämlich den Glauben mit Gewalt durchsetzen) handelt es sich da wohl auch um eine Form des Unglaubens. "Fanatisch" im negativen Sinn muss man sein, wenn Ängste hat, etwas zu verlieren.

Allerdings gibt es Leute, die bezeichnen jemand, der ein wenig mehr Eifer in der der Liebe zu Jesus hat gerne als Fanatiker.


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Re: Glaubensfanatismus in Beziehung

Beitragvon William Penn » So 8. Mai 2005, 20:16

Hallo velocy, ich glaube nicht, daß Du es mit einer reifen Christin bzw. Adventistin zu tun hattest! Das Mädel hat ganz einfach noch nicht zu sich und ihrem Weg gefunden, und das gespaltene Elternhaus ist gewiß der Hauptgrund für ihre Unsicherheit. Meine Verlobte war ähnlich. Ich fürchte, Du mußt das Ganze unter "Erfahrung" verbuchen. Sei froh, daß es schnell zu Ende war. Ich mußte so ein Hin-und-Her mit allen Qualen und emotionalen Wechselbädern volle vier Jahre durchmachen. Nur, daß ich der Adventist war, und meine in sich gespaltene Verlobte ursprünglich katholisch.

Und glaub mir: Mit Glaube, Fanatismus oder Adventismus hatte das Verhalten der jungen Dame nichts, aber auch gar nichts zu tun. Den Glauben benutzt sie momentan nur als Fluchtweg. Andernfalls hätte ein klärendes Gespräch mit klaren Grenzziehugnen doch ausgereicht, oder? Stattdessen meidet sie den offenen Dialog. Ein deutliches Zeichen für fehlende menschliche - und erst recht: geistliche - Reife.

Und übrigens: Gothic + Adventismus? Diese Spannung hätte Dich stutzig machen müssen! Und wenn Du selbst ein entschieden Glaubender wärst, hättest Du den Anstoß zu klärenden Gesprächen wegen dieses Widerspruchs wohl von Dir aus gegeben.

Tja, was ist jetzt zu tun? Ich war vor Jahren froh und erleichtert, daß es schließlich zur Trennung kam. Doch bei Dir fehlen diese vielen frustrierenden Jahre für ein leichtes Loslassen. Aber das Schlüsselwort lautet auf jeden Fall Loslassen. Sogar dann, wenn sie wieder auftauchen sollte (denn nur so könntest Du drüberstehen).

Höre Israel:
Jahwe, unser Gott,
ist ein einziger Jahwe!


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Re: Glaubensfanatismus in Beziehung

Beitragvon William Penn » So 8. Mai 2005, 20:18

Original von Mariamante
Allerdings gibt es Leute, die bezeichnen jemand, der ein wenig mehr Eifer in der der Liebe zu Jesus hat gerne als Fanatiker.
Da hast Du allerdings recht! Und Dein Userbild kommt mir irgendwie bekannt vor ...

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Re: Glaubensfanatismus in Beziehung

Beitragvon *velocy* » Di 10. Mai 2005, 17:54

Erst einmal danke (!) für die Antworten

Dass Gothic und Adventismus ein Widerspruch in sich ist, ist mir auch klar und darüber war ich auch etwas verwundert. Sie hat oft auch erzählt, sie hätten Probleme mit ihrem Jugendleiter, was auch ihre Eltern immer ernsten Stress bereitet hätte, und sie appellierte auch oft dagegen (gerade wegen ihrem Auftreten), warum sie sich nicht so anziehen darf, wie sie will. Was ich zur Zeit von ihrem Bruder gehört habe, dass er mit schwarzem Mantel in die Schule geht etc. naja wie gesagt, alles etwas komisch.

Ich habe am Anfang wenig bis gar nicht auf ihre Glaubensrichtung geachtet, da mir bei Liebe der Glaube ziemlich egal ist. Noch dazu hatte ich keine Ahnung, mit welchem Glauben ich es da zu tun hatte. Und dass sie im Endeffekt nicht gewusst hat, was sie will, ja, das kann ich bestätigen. Nur frage ich mich, wie sie es später anstellen will, ich meine, irgendwann MUSS sie ja selbständiger werden.
Dass sie zurückkommt, bezweifle ich stark, auch wenn ich es nicht auschließen will, da bestimmt keiner so blöd sein wird und sich nochmal so hingeben lassen wird wie ich es getan habe, bzw. ihre "Voraussetzungen" akzeptieren wird. Loslassen ist leicht gesagt, ist aber wohl wirklich bei dem Fall das Beste. Ich habe sie seit einem guten halben Jahr nicht mehr gesehn. Naja, aber ich bin froh, von jemandem eine Antwort bekommen zu haben, der selbst Adventist ist!
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Re: Glaubensfanatismus in Beziehung

Beitragvon Evangelist » Mi 12. Sep 2007, 12:38

Gläubige versuchen in allen Dingen nach Gottes Wort zu leben. Diese Frau, (ich bin nicht Adventist), versuchte dies wahrscheinlich auch. Das Problem was ich sehe ist Deine sexuelle Annäherung (Petting). Selbst wenn dies von Ihr ausgegangen sein sollte, so wahr sie doch im nachhinein über sich selbst und über die ganze Situation entsetzt, da sie wußte sie hat eine Grenze überschritten die Gott gegeben hat. Deshalb wird sie auch jeden Kontakt mit Dir vermeiden wollen um nicht wieder in so eine Situation zu kommen.

Liebe Grüße
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