Wann führt Loyalität zur Sekte?

Sondergruppen, Fanatismus

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Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon manfred » So 13. Mär 2011, 12:41

Ich hatte bisher immer gewisse Vostellungen über Sekten.
Das wichtigste Merkmal war immer für mich, wenn die Meinung von Mitgliedern nicht zugelassen werden. Oder wenn dann die Meinung so verdreht werden, daß man sich als verückt bezeichnet wird.
Ich weiß schon, dass jeder Kirche auch Loyalität fordert und Kritik mit alller Härte niederschlägt, auch wenn man dann Mitglieder als geistesgestört hinstellt.
Dann wird eben behauptet du hast das falsch verstanden.
oder du lügst du sagst die Unwahrheit.
Das komische dabei ist, daß der andere beim Gespräch nicht dabei war und feststellt das das was du sagst mit Sicherheit falsch ist und nie so gesagt wurde.
Das geht dann auch so weit das du dir einbilden sollt dass du provoziert wirst.
Letzendlich wird dein Geisteszustand in Frage gestellt und das hatte ich früher immer als Sekte verstanden.
Interessant ist es vor allem dann wenn du eine CD Aufnahme hast und beweisen kannst das es wirklich so gesagt worden ist.

Wann endet also für euch die Loyalität zu einer Kirche und wann beginnt dann das Sektentum?
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Gnu » So 13. Mär 2011, 13:13

Loyalität führt dann zur Sekte, wenn es Loyalität gegenüber der Gemeindelehre oder Gemeindeleitung ist und diese der Bibel widerspricht.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon lionne » So 13. Mär 2011, 13:53

Loyalität fürhrt nun nicht automatisch zu Sektentum. Was bedeutet Loyalität? Ich bin loyal gegenüber einer Person, einer Firma, einer Gemeinde. D.h. ich kenne die Person, die Gruppe, die Gemeinschaft; ich kenne die Wertvorstellungen, die Standpunkte des Anderen und teile sie; ich vertrete sie. Ich bin loyal (treu) dem/denen gegenüber dem/denen ich loyal verbunden bin, aber auch Dritten/Aussenstehenden gegenüber. Für mich ist Loyalität immer freiwillig.
Wenn (blinde) Loyalität gefordert wird, geht das für mich immer ins Sektiererische.
Ich soll/darf (trotz Loyalität) meinen gesunden Menschenverstand gebrauchen, ich soll/darf Meinungen frei äussern, es gibt Platz für Diskussion/Kritik und Vielfältigkeit.
Druck (wie auch immer der gestaltet sein mag) ist für mich ein negatives Indiz und da gehen meine roten (Warn-)Lämpchen an!

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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon lionne » So 13. Mär 2011, 14:01

Bezogen auf die christliche Gemeinde muss für mich persönlich das Fundament der Gemeinde das (unverfälschte) Wort Gottes (die Bibel) sein und Jesus das Zentrum.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Meta » So 13. Mär 2011, 15:52

lionne hat geschrieben:Bezogen auf die christliche Gemeinde muss für mich persönlich das Fundament der Gemeinde das (unverfälschte) Wort Gottes (die Bibel) sein und Jesus das Zentrum.


ich habe mich sehr gründlich mit dem, was das Christentum aus der Bibel heraus- und hinein liest auseinandergesetzt, und mit der Heiligen Schrift und dem NT verglichen, und musste feststellen, dass das meiste nicht stimmt!
Die angeblich neuen "Erkenntnisse" sind keine, und die Feststellung des liebenden und gerechten G-ttes waren und sind im Judentum schon immer sehr gut vorhanden.

Es scheint so, dass das Christentum seine Existenzberechtigung nur daraus bezieht, dass bis heute immer wieder und sehr hartnäckig auf das "angeblich" schlechte Judentum hingewiesen wird. Das wird ohne wirkliche Kenntnisse über das Judentum gemacht.
Römer 8,2 Denn die Tora der lebenschaffenden Geistkraft hat dich im Messias Jesus vom Gesetz der Sündenmacht und des Todes befreit.
8,7 Deshalb ist eine begrenzte menschliche Denkweise Gott gegenüber feindlich, weil sie sich nicht der Tora Gottes unterstellt und auch gar nicht in der Lage dazu ist
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon kingschild » So 13. Mär 2011, 17:11

manfred hat geschrieben:
Wann endet also für euch die Loyalität zu einer Kirche und wann beginnt dann das Sektentum?


Du bist in erster Linie gerufen, Christus nach zu folgen, nicht einer Kirche somit kannst Du Dich dort bewegen wo Christus präsent ist. Wenn aber die Kirche Dich lehrt Christus zu folgen, so solltest Du Ihr gegenüber auch Loyal bleiben auch wenn Du nicht alles erkennen, sehen und annehmen kannst.

Wenn eine Kirche lehrt sie sei die einzige die zum Heil führen kann und sie sei fehlerfrei, dann wäre es sinnvoll nicht Loyal zu sein.

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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon kingschild » So 13. Mär 2011, 17:25

Meta hat geschrieben:
lionne hat geschrieben:Bezogen auf die christliche Gemeinde muss für mich persönlich das Fundament der Gemeinde das (unverfälschte) Wort Gottes (die Bibel) sein und Jesus das Zentrum.


ich habe mich sehr gründlich mit dem, was das Christentum aus der Bibel heraus- und hinein liest auseinandergesetzt, und mit der Heiligen Schrift und dem NT verglichen, und musste feststellen, dass das meiste nicht stimmt!
Die angeblich neuen "Erkenntnisse" sind keine, und die Feststellung des liebenden und gerechten G-ttes waren und sind im Judentum schon immer sehr gut vorhanden.

Es scheint so, dass das Christentum seine Existenzberechtigung nur daraus bezieht, dass bis heute immer wieder und sehr hartnäckig auf das "angeblich" schlechte Judentum hingewiesen wird. Das wird ohne wirkliche Kenntnisse über das Judentum gemacht.


Das Christentum sagt aber nicht das Judentum sei schlecht, sondern die Christen wissen von wo das Heil kommt.

Gott sprach durch die Propheten zu den Israliten und er sagte klar und deutlich was genau im argen liegt, diese Ausagen kommen aber nicht vom Christentum sondern von Gott selbst und sein gesandter Christus hat lediglich bestätigt, was die Propheten zuvor gesprochen hat.

Das Problem das Du hier ansprichst liegt eher zwischen Gott und den Israliten und dieses Problem wird nicht gelöst dadurch, das man dieses Problem auf Christus oder seine Nachfolger abschiebt, sondern nur dadurch das man den Propheten Gottes und seinen gesandten Gehör schenkt.

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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Laodicea » So 13. Mär 2011, 17:57

Loyalität also Treue gegnüber einer Sache der ich mich verpflichtet habe ist solange gesund, wie die Sache selbst gesund ist.
Das allerdings ist u.U. nicht leicht zu erkennen.

Wenn eine Gemeinde zu 80% dem Wort Gottes folgt, soll ich dann auch 80% loyal sein?
Soll ich mich zu 20% woanders umschauen?
Soll ich ganz dabei bleiben oder mich ganz abwenden?

Schwieriges Thema...
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon lionne » So 13. Mär 2011, 19:43

Laodicea hat geschrieben:Loyalität also Treue gegnüber einer Sache der ich mich verpflichtet habe ist solange gesund, wie die Sache selbst gesund ist.
Das allerdings ist u.U. nicht leicht zu erkennen.


Das könnte ich grob so unterschreiben.
Hilfe für unsere Entscheidungen erhalten wir aus dem Wort.
Persönlich habe ich mich einmal nach über 5 Jahren in einer Gemeinde von der Gemeinde getrennt, weil etwas vorgefallen bzw. entschieden wurde, wo ich (und was das Wort dazu sagt) nicht dahinter stehen konnte. Es war aus meiner Sicht zwingend, mich von der Gemeinde zu trennen, zumal ich noch in der Gem.leitung engagiert war.

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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Gnu » So 13. Mär 2011, 21:23

Laodicea hat geschrieben: Wenn eine Gemeinde zu 80% dem Wort Gottes folgt, soll ich dann auch 80% loyal sein?

Ich würde das nicht tun. Eine Gemeinde mag Fehler machen oder einiges falsch verstehen, aber 20% Abstriche von der Bibel sind ein Zeichen des Abfalls. Abgefallene Gemeinden sind nicht mehr zu retten. Diejenigen Brüder und Schwestern, welche nicht mit untergehen wollen, müssen sich verabschieden und selbst neu anfangen.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Columba » So 13. Mär 2011, 21:48

Gnu hat geschrieben:...
Eine Gemeinde mag Fehler machen oder einiges falsch verstehen, aber 20% Abstriche von der Bibel sind ein Zeichen des Abfalls.
...

Eine Gemeinde besteht aus den Gläubigen. Der Durchschnitt aller Gläubigen muss also zu 80% rechtgläubig sein. Ziehst Du nun, Gnu, den Durchschnitt nach oben oder nach unten?

Grüsse Columba
Johannes 8,8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Gnu » Mo 14. Mär 2011, 02:04

Columba hat geschrieben:
Gnu hat geschrieben:...
Eine Gemeinde mag Fehler machen oder einiges falsch verstehen, aber 20% Abstriche von der Bibel sind ein Zeichen des Abfalls.
...

Eine Gemeinde besteht aus den Gläubigen. Der Durchschnitt aller Gläubigen muss also zu 80% rechtgläubig sein. Ziehst Du nun, Gnu, den Durchschnitt nach oben oder nach unten?

Grüsse Columba

Wer legt fest, dass der Durchschnitt aller Gläubigen zu 80% rechtgläubig sein muss? Das hast du erfunden, nicht ich. Ich schrieb etwas ganz anderes, das man wohl kaum missverstehen kann, ausser…
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Laodicea » Mo 14. Mär 2011, 11:19

lionne hat geschrieben:Das könnte ich grob so unterschreiben.
Hilfe für unsere Entscheidungen erhalten wir aus dem Wort.
Persönlich habe ich mich einmal nach über 5 Jahren in einer Gemeinde von der Gemeinde getrennt, weil etwas vorgefallen bzw. entschieden wurde, wo ich (und was das Wort dazu sagt) nicht dahinter stehen konnte. Es war aus meiner Sicht zwingend, mich von der Gemeinde zu trennen, zumal ich noch in der Gem.leitung engagiert war.
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Hallo lionne,
das ist kein leichter Schritt. Ich mußte diesen Weg auch gehen und Gott hat mich in Liebe und Fürsorge geleitet und getröstet und hindurch gebracht.
Hätte Gott nicht auf wunderbare Weise eingegriffen, weiß ich allerdings nicht, ob ich diesen Schritt gewagt hätte, spricht den Mut und den nötigen Biss aufgebracht hätte.
Ich bin Ihm so dankbar dafür.
Trauer erfüllt jedoch mein Herz über manche meiner Geschwister in der Gemeinde, die auch im Herzen beunruhigt waren über einige Dinge, die eben nicht schriftgemäß gehandhabt wurden.
Doch diese Menschen konnten den Schritt bis heute nicht tun, sie stolpern über dem Wort dass da sagt, dass man nicht aufhören soll sich zu versammeln, denken sie verraten Gott, wenn sie der Gemeinde bzw. den Menschen dort nicht die Treue halten...sie reden sich ein etwas verändern zu können usw...
Derweil könnte unser Herr, Jesus Christus, wiederkommen, wie ein Dieb in der Nacht, und Er findet sie nicht vorbereitet.
Ich persönlich erlebe, dass da wo ich mich auf Gott verlasse und mit Ihm über Mauern springe und alte Türen schließe, Er neue Türen und Wege auf macht!

Gruß
Laodicea
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Reginald 32 » Mo 14. Mär 2011, 23:40

Hallo, lieber Manfred.

Deine Vorstellung von einer "Sekte" sowie Deine Schilderung der Zustände in Deiner Gemeinde passen irgendwie nicht zusammen. Wenn es Striet und gegenseitige Vorwürfe, Besserwisserei und Rechthaberei gibt, so ist das für mich ein Zeichen von Unbekehrtheit, aber nicht von Sekte.

Die Bibel sagt deutlich, was eine Sekte ist:
Apg. 24:14: "14 Das bekenne ich dir aber, dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, dem Gott meiner Väter so diene, dass ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten.


Die Juden behaupteten, Paulus sei ein Sektierer. Und warum? Er lehrte ihrer Meinung nach einen falschen Heilsweg. Der jüdische Heilsweg ging über die Beschneidung und die Opfer im Tempel, der neue christliche Heilsweg ging über den Glauben an das Opfer Jesu für uns.

Eine heutige Sekte triffst Du immer dann an, wenn in ihr ein anderer Heilsweg gelehrt wird als in der Bibel. Oder wenn eine Person von sich behauptet, von Gott einen anderen Heilsweg offenbart bekommen zu haben, usw.

Aber Streit und Zank deuten nicht auf eine Sekte, sondern auf mangelhafte Bekehrung..

Bei Streit und Zank kann man in eine andere Gemeinde gehen, wo es diese Rechthaberei nicht gibt. Aber man muss sich auch selbst vor Gott prüfen, ob man nicht selbst auch zum Streit beigetragen hat.

Liebe Grüße von Reginald.
Bald schon kann es sein, dass wir Gott als König sehn. Halleluja, Halleluja.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Kalle » Fr 8. Apr 2011, 13:15

Natürlich ist man seiner Gemeinde gegenüber irgendwie auch verpflichtet. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde hat ja auch seine Vorteile und bietet dem Gläubigen auch etwas. Deshalb wäre es falsch, wenn man nur in die Gemeinde geht und nur die Vorteile aus dieser Beziehung ziehen möchte. Man selbst muss auch etwas für die Gemeinde tun, wie finanzielle Zuwendung, vielleicht auch (in einem eingeschränkten Rahmen) ehrenamtliche Tätigkeit usw. Wie überall im Leben ist es dann ein Geben und ein Nehmen – zu beiderseitigem Vorteil.

Heute gibt es das Wort „Sekte“ in seiner klassischen Bedeutung nicht mehr. Meint man heute eine Gruppierung, die aufgrund ihres Glaubensentwurfs sich deutlich vom traditionellen Christentum unterscheidet, dann nennt man es eine „Glaubensgemeinschaft mit Sondergut“. Das sind z.B. Gruppen wie die Neuapostolische Kirche (Sondergut ist hier der Stammapostel) oder Jehovas Zeugen (Sondergut sind hier die diversen Lehren und Endzeittermine).

In einem anderen Forum hat jemand zu dieser Frage geschrieben:
Der Begriff "Sekte" bezeichnet eine Gruppe von Gläubigen, die sich von der Hauptrichtung einer Religion abspalten. Er ist völlig wertneutral. Eine Gruppe von Gläubigen verfügt über Sondergut in der Lehre oder über eigene Offenbarungen. Das unterscheidet sie zunächst von der Hauptrichtung eines Glaubens. In der Folge trennt sich die Gruppe von der Hauptrichtung und wird damit zur Sekte (lat. für "abgetrennt"). Wenn diese Sekte mehr und mehr Menschen um sich schart, wird sie irgendwann selbst zu einer Hauptreligion, von der sich u. U. wieder Sekten abspalten, die wieder über Sondergut verfügen. Das lässt sich am Beispiel der Christen gut zeigen: Die Christen waren zunächst eine jüdische Sekte. Sie spalteten sich ab und nahmen mehr und mehr Heidenchristen in ihre Reihen auf, wurden später so selbst zu einer Hauptrichtung.
Oder ein anderes Beispiel: die Mormonen. Sondergut war das Buch Mormon und der Glaube, dass es nur eine richtige Kirche gibt (die sich zufällig als die Mormonenkirche entpuppt). Wie ironisch, dass sich die "einzig wahre" Kirche schon bald aufteilte und es heute zwei große Mormonenkirchen und hunderte freier mormonischer Gemeinschaften gibt. Diese Gruppen sind dann keine christlichen Sekten mehr, sondern bilden den Mormonismus.


Und was man früher als „sektiererische Methoden“ bezeichnete, kann man heute viel besser bezeichnen als manipulative Methoden, geistlichen Missbrauch, propagandistische Lehre usw.
Da zeichnet sich dann auch schon ab, dass man zwischen Kirche, Freikirche und Sekte nicht mehr klar unterscheiden kann. Eine Gemeinde einer ansonsten theologisch unbedenklichen Freikirche kann durchaus „sektiererische Methoden“ in der Gemeinde pflegen, während bei der benachbarten Gemeinde mit Sondergut es sehr viel liberaler und selbständiger zugeht. Dann ist natürlich auch die Frage, ob eine Gemeinde mit einer manipulativen Gemeindeleitungsstruktur auch gleichzeitig eine destruktive Glaubensgemeinschaft sein muss.

Gemeinde A ist also eine gute Gemeinde, weil sie dem Gemeindeverband X zugehörig ist, ist eine unsinnige und unzutreffende Aussage. Und nur weil die Gemeinde in B so mit ihren Mitgliedern umgeht, kann es in der Ortschaft C schon ganz anders aussehen.

Und es geht auch schon längst nicht mehr um Gruppen und Grüppchen innerhalb des Christentums, sondern es gibt auch in Mitteleuropa hinduistische, buddhistische und esoterische Sekten. Neben den religiösen Sekten gibt es auch Politiksekten und Wirtschaftssekten.

Argumente wie „Sekte ist man dann, wenn Jesus nicht im Mittelpunkt steht“ sind also völliger Unsinn, weil da Idealvorstellungen und reale Welt nicht in Einklang zu bringen sind.

Wichtig bei der Beurteilung einer christlichen Gemeinschaft können Fragen wie diese sein:
1. Muss ich als Christ einer Gemeinschaft angehören?
2. Muss ich als Christ mit den Gemeindegliedern die gleiche Grundhaltung aufweisen oder darf ich auch eigene Meinung vertreten, die vom Mainstream abweicht? Darf ich z.B. eine bestimmte Partei nicht wählen, ist mir automatisch der Genuss von Tabak und Alkohol untersagt, darf ich kein Fleisch essen etc?

3. Wird der Glaube vertreten, dass eine bestimmte Handlungsweise automatisch mit dem Segen Gottes verbunden ist?

Das können schon ernste Anzeichen sein, dass man in einem manipulativen Umfeld gelangt ist.

Interessant ist auch folgende Begebenheit: Am 28. Februar 1993 beging die Davidianer-Sekte in Waco, Texas Selbstmord. Die US-Regierung wollte solche Vorkommnisse für die Zukunft unbedingt vermeiden und wollte deshalb von den Ermittlungsbehörden eine Liste ähnlich gefährlicher Gruppen aufstellen lassen. Die Ermittlungsbehörden konnten nach jahrelanger Recherche eine solche Liste nicht vorlegen, weil sie unvollständig gewesen wäre. Das Ergebnis der jahrelangen Untersuchung ist, dass jede religiöse Gruppe eine potentielle Gefahr sein kann, wenn sie glaubt
1. sie sind die Auserwählten Gottes (es gibt Gläubige erster und zweiter Klasse, bzw. es werden Unterschiede zwischen Christen und Weltmenschen gemacht)
2. das Ende der Welt steht unmittelbar bevor.

Das ist auch der Grund, warum sich Behörden schon heute Sorgen um das Kalendersystem der Mayas machen – weil am 21.12.2012 auch esoterische Gruppen mit Selbstmorden enden könnten (wie im Jahr 2000 die Sonnentempler).

Und noch viel schlimmer sieht es aus, wenn noch weitere Merkmale dazu kommen:
3. Gott möchte, dass es in diesem Lande wieder eine christliche Regierung gibt und christliche Werte auch gegen den Willen des „ungläubigen“ (siehe Punkt 1) Bevölkerungsanteils durchgesetzt werden.
4. Es gibt eine Weltverschwörung der Juden / Muslime oder Jesuiten oder Freimaurer oder Gruppe X, bzw. die Regierung ist von Aliens unterwandert usw.


Man sollte bei der Wahl der Gemeinde vorsichtig sein, wenn man denn der Meinung ist, man müsse unbedingt in einer Gemeinschaft Mitglied sein. Jesus hat dies nie gefordert und nie verlangt und es gibt auch keine solche Bibelstelle, immer nur Begründungen durch die Hintertür.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Laodicea » Fr 8. Apr 2011, 19:10

Kalle hat geschrieben:Man sollte bei der Wahl der Gemeinde vorsichtig sein, wenn man denn der Meinung ist, man müsse unbedingt in einer Gemeinschaft Mitglied sein. Jesus hat dies nie gefordert und nie verlangt und es gibt auch keine solche Bibelstelle, immer nur Begründungen durch die Hintertür.

Hallo Kalle, wie meinst du das mit der Hintetür?
Gru? Laodicea
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Kalle » Do 14. Apr 2011, 12:04

Liebe Laodizea,

jetzt kommen wir auf einen Punkt zu sprechen, der viele Menschen in ihrem Glaubensleben berührt und ihnen sehr wichtig ist. Deshalb ganz klar gesagt: ich will niemanden verletzen.

Vor einigen Wochen bei EWTN (katholischer Sender) sagt ein Priester: Jesus hat die Kirche gewollt, daran gibt es keinen Zweifel.

Meine Reaktion (als Protestant): Wo steht das?
Mal abgesehen davon, dass wir bei kommenden Überlegungen von vornherein den Begriff "der Leib Christi" und den Begriff "die Kirche" schön voneinander unterscheiden wollen.

Die einzige Schriftstelle dafür lautet: "Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." Matthäus 16,18
Die Schriftstelle ist beliebt, weil sie
1. aus Jesu Munde stammt,
2. hier nicht von einer lokalen Gemeinde spricht, sondern auf eine Kirche hindeutet.

Bei Paulus und den anderen Aposteln ist zwar die Bekehrung von Menschen und damit einhergehend auch die Bildung von lokalen (!) Gemeinden die Rede, in die Paulusbriefen richten sich ausschließlich nur an lokale Gemeinden oder verweisen auf Vorgänge in anderen lokalen Gemeinde, z.B. Geldsammlung die "Jerusalemer Gemeinde", obwohl diese offensichtlich nach dem Vorbild der jüdischen Tempelgemeinde aus einer aramäischsprachigen Gemeinde und einer griechischsprachigen Gemeinde bestand, die auch zwei Vorstände hatte. (Apostelgeschichte 6, 1-7)

Liebe Grüße
Kalle
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Begriffserklärungen

Beitragvon Kalle » Di 26. Apr 2011, 16:32

Auf dieser Seite habe ich zum Thema Sekten sehr gute Begriffserklärungen gefunden.
http://www.agpf.de/Esoterik-Sekten.htm#Begriffe

Begriffe
Esoterik und Sekten - die Begriffe überschneiden sich vielfach.
Sekte ist ein Sammelbegriff für Organisationen.
Esoterik ist ein Sammelbegriff für Methoden.
Beiden gemeinsam ist die Beeinflussung.
Beiden gemeinsam ist eine Geisteshaltung, als Glaube oder Überzeugung oder Wissen bezeichnet.
Ohne Glaube an irgend etwas sind weder Sekten noch Esoterik denkbar.
Bei Sekten steht der Glaube an den Guru und dessen Lehre Vordergrund.
Bei der Esoterik ist es der Glaube an eine Methode den Denkens oder Handelns.

Beeinflussung
Beeinflussung ist weder schlecht noch gut.
Zur Beeinflussung gehören Werbung, Erziehung, Therapie und Gehirnwäsche.
Zu den Methoden der Beeinflussung gehören Belohnung und Strafe. Beides wird auch von Sekten und Esoterik benutzt.
Sekten und Esoterik sind keineswegs durchweg zu verurteilen oder sozial schädlich.
Vieles davon gehört zum Toleranzbereich.

Die Beurteilung muss allerdings nach denselben Kriterien vorgenommen werden, die auch sonst gelten.


Beurteilung
Weisen diese Kriterien in eine sozial oder für den Einzelne problematisch Richtung, gibt es keinen Grund, eine genauere Prüfung nur deshalb zu unterlassen, weil die Begriffe Glaube, Religion, religiös, Wissen, Wissenschaft, alternativ, spirituell oder ähnliche benutzt werden.

Es darf keinen Beurteilungs-Bonus für phantasievolle Begriffe geben.

Es gibt auch keinen Grund, notwendige Kritik zu unterlassen
, weil auch andere Organisationen in früheren Jahrhunderten grausam und - aus heutiger Sicht - menschenverachtend gehandelt haben. Was als grausam und menschverachtend beurteilt wird, unterliegt dem Wandel. Die katholische Kirche hat seit Luther wegen unzulässiger Methoden der Spendenwerbung ("Ablass") die Hälfte ihrer Anhänger verloren und wegen sich ändernder Ansichten fast ihre gesamte weltliche Macht.
Auf heutige Handlungen sind heutige Anschauungen und Gesetze anzuwenden.


Sekten und Esoterik oft kommerziell
Sekten und Esoterik sind oft getarnte Wirtschaftsunternehmen. Als solche gehören sie zum Psychomarkt.
Wirtschaftsunternehmen sind nichts Negatives.
Aber ihr Handeln unterliegt sehr konkreten Regelungen. Sekten und Esoterik verweigern die Anwendung dieser Regeln. Zu diesen Regeln gehörten die Verbraucherschutz-Gesetze und die Konkurrentenschutz-Gesetze.
Bei Sekten und Esoterik ist die Schädigung von Verbrauchern und Konkurrenten der Normallfall.

Beispiele
Viele Sekten und Esoterik-Anbieter betreiben Heilbehandlung ohne die erfoderlich staatliche Zulassung. Oft werden falsche Berufsbezeichungen oder Titel benutzt und mit Referenzen geworben. Damit werden Verbraucher getäuscht und geschädigt.

Ärzte werden systematisch als Ingoranten verleumdet, die ihren Patienten die vermeintlich fortschrittlichsten Behandlungmethoden voranthalten.

Vergleichsweise harmlos ist es noch, wenn Ärzte mit diesem Ziel als "Schulmediziner" bezeichnet werden. Andere stellen Ärzte als Mörder oder gar Massenmörder dar.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon manfred » Do 3. Nov 2011, 19:36

Würde ja vorschlagen mit Tonbandgeräten in die Kirche zu gehen.
Dann kann man beweisen, daß das auch gesagt wurde.
Anderseits bin ich zu faul dazu und möchte mich nicht auf dieser Weise auch wenn es notwendig wäre betötigen (ich lass das so stehen weil es auch gut kling, meine natürlich betätigen).
Ja leider wiederholt sich das ständig womit mir klar wird das viele wirklich gerne Sektenglieder sein möchten.

Aber ich denke es ist Zeichen unserer Zeit das es in unseren Kirchen so zugeht.

Man versucht alles schön zu reden.

Papst Benedikt hat als er noch Kardinal war gesagt, das größte Problem heute ist der Relativismus.

Auch die größten Sünden werden heute als richtig hingestellt.

Und wer aufzeitgt wird attakiert.

Aber das ist auch in der Politik so, warum sollte es unter Christen anderst sein.

Aber da kommt die Vergebund ins Spiel, daß man den Sektengliedern vergibt.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon manfred » Do 3. Nov 2011, 19:40

Für mich war Sekte immer verbunden mit Gehirnwäsche.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Bernd68 » Di 5. Jun 2012, 11:08

manfred hat geschrieben:Für mich war Sekte immer verbunden mit Gehirnwäsche.

es kommt immer darauf an ... wer einem das Gehirn wäscht,
der Heilige Geist oder Menschen.

Gruß, Bernd.
4. Mose 14,24;
Aber meinen Knecht Kaleb - weil ein anderer Geist in ihm war
und er mir völlig nachgefolgt ist - ihm werde ich in das Land bringen,
in das er hineingegangen ist; und seine Nachkommen sollen es besitzen.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon manfred » Sa 14. Jul 2012, 20:45

Bernd68 hat geschrieben:es kommt immer darauf an ... wer einem das Gehirn wäscht,
der Heilige Geist oder Menschen.
Gruß, Bernd.


Ein interessanter Gedanke auch wenn er meinem Denken völlig widerspricht.
Ich habe immer geglaubt, daß der heilige Geist allen Menschen nachgeht, daß er sich aber niemanden aufzwingt. Du meinst aber, daß der freie Wille des Menschen von Gott gebrochen werden kann.
Gott kann also doch jemanden zwingen eine neugeborenes Wesen zu sein.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon Bernd68 » Do 20. Dez 2012, 13:40

Hallo lieber manfred,
manfred hat geschrieben:Ich habe immer geglaubt, daß der heilige Geist allen Menschen nachgeht, daß er sich aber niemanden aufzwingt. Du meinst aber, daß der freie Wille des Menschen von Gott gebrochen werden kann.

Gott zwingt sich niemanden auf und somit der Heilige Geist auch nicht.

Als ich Jesus erfuhr (alleine in meinem Zimmer) änderte sich auf einem Schlag alles, doch mein Verstand hingte hinterher ... bis er akzeptieren musste - dass es Jesus (Gott) tatsächlich gibt = Gehirnwäsche. ;)

Gott hat nicht meinen Willen gebrochen ... Er ist in mein Herz gekommen und nicht in meinen Verstand, mein Verstand glaubt nicht - mein Herz schon!

Mein Glaube gründet sich auf Erfahrung, die Begegnung mit IHM (Jesus)
und seinem Wort = die Erfahrung im Wort!
:arrow: Wenn man nur sein Wort alleine hat ... kann man ziemlich abdriften.

Liebe Grüße, Bernd.
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in das er hineingegangen ist; und seine Nachkommen sollen es besitzen.
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Re: Wann führt Loyalität zur Sekte?

Beitragvon manfred » So 21. Jul 2013, 16:20

Wichtig ist ja nur, daß man selber mit sich glücklich ist.
Ob es im Ganzen so läuft wie man will ist nebensächlich.
Denn alles ist vergänglich auf dieser Welt.
Daher ist wieder das was mein Vater mir gesagt vollkommen richtig.
Steiger dich nur nicht zu fest hinein, lasse dich nicht in die Administration zu sehr ein.
Sonst verlierst du die Unabhängigkeit und die Freiheit.
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